„Bis zum Jahreswechsel werden wir die meisten Vietkong-Gebiete zurückerobern.“ Derart zuversichtlich und selbstbewußt äußerte sich im März der neue „starke Mann“ in Südvietnam, General Nguyen Khanh. Es komme nur darauf an, das Vertrauen der von den Vietkong eingeschüchterten Bevölkerung wiederzugewinnen.

Neun Monate später hatte Khanh nicht nur das Vertrauen der regierungstreuen Bevölkerung verscherzt, sondern auch das Vertrauen der Amerikaner. Die „Jungtürken“ unter den höheren Offizieren um Khanh verschwendeten ihre Energien auf Staatsstreiche statt auf den Krieg gegen die Vietkong.

Militärisch wäre der Bürgerkrieg für das Regime in Saigon längst verloren, würde sie nicht durch amerikanische Dollars, Waffen und Soldaten gestützt. Vor einem Jahr standen erst 15 000 US-Soldaten als „Berater“ an der Front, inzwischen ist ihre Zahl auf 23 000 angewachsen. US-Botschafter General Maxwell D. Taylor mußte zugeben, daß militärische Mittel allein das Blatt nicht mehr wenden.

Zwei Wege bieten sich den Amerikanern an, wenn sie Vietnam nicht aufgeben wollen: Zum einen könnten sie in Saigon ein stabiles, vom Volk gestütztes Regime einsetzen, sei es eine parlamentarische Demokratie, sei es eine neue Diktatur, die dann den Krieg mit neuer Kraft führen kann. Bisher scheiterten alle Versuche in dieser Richtung an den Rivalitäten der Offiziere, Buddhisten, Katholiken und der sechzig verschiedenen politischen Gruppen.

Zum anaern könnten die USA den Luftkrieg nach Nordvietnam ausweiten, um die Vietkong von ihren Versorgungsbasen im Norden abzuschneiden. Eine solche „Eskalation“ hätte überhaupt nur Sinn, wenn in Saigon Burgfrieden eingekehrt wäre, militärisch wären die Erfolgschancen gering. Außenpolitisch würden die USA, ebenso wie 1950 im koreanischen Krieg, das Eingreifen chinesischer „Freiwilliger“ riskieren.

Präsident Johnson hat sich im Wahljahr gehütet, den Rubikon zu überschreiten. Nur einmal, als im Golf von Tongking amerikanische Zerstörer unter mysteriösen Umständen mit nordvietnamesischen Schnellbooten aneinandergerieten, hat er hart und rasch zurückgeschlagen. Aber auch dieser Zwischenfall schlug den USA zum Nachteil aus.

Das amerikanische Vorgehen ermunterte General Khanh, diktatorische Vollmachten an sich zu reißen. Damit beschwor er die Opposition der Buddhisten herauf, vor der er, unter Zureden der Amerikaner, zurückweichen mußte. Seither betreiben Khanh und die politisierenden Militärs Innenpolitik auf eigene Faust, ohne sich um amerikanische Interessen zu kümmern.