Von Helmut Arndt

Ist die Quantität oder ist die Qualität der Konzentration – oder ist beides – zu untersuchen? Dies ist die entscheidende Frage, die vor Beginn einer Enquete zu stellen ist, und die sich auch Bundestag und Bundesregierung vor der letzten Enquete hätten stellen müssen.

Unbestreitbar steigern wirtschaftliche Konzentrationen die Arbeitsproduktivität und damit den Wohlstand. Aber nicht jede Konzentration hat diesen Effekt, und nicht jede Konzentration ist volkswirtschaftlich nützlich, wenn dies auch immer wieder behauptet wird.

In dem Gemischtwarenkonzern, den der alte Stinnes nach dem Ersten Weltkrieg zusammengekauft hatte, waren unter anderem Schiffswerften und Hotels, Autofabriken und Zeitungskurrenzfirmen ihre Produkte verbilligen oder verbessern.

Eine große deutsche Photofirma wurde jüngst an eine amerikanische Firma verkauft, weil sie Patentschwierigkeiten hatte und in ihrem Rohstoffbezug von Konkurrenzfirmen abhängig geverlage zusammengefaßt. Die Produktions- und Vertriebskosten einer Zeitung werden jedoch nicht dadurch gesenkt, daß ihrem Eigentümer gleichzeitig auch noch Schiffswerften oder Wurstfabriken gehören.

Die Konzentration kann darüber hinaus auch schädliche Folgen haben. Die durch Patente gewonnene Macht kann zum Beispiel verwandt werden, um den technischen Fortschritt zu verlangsamen. Man kann sich Patente für die Weiterentwicklung fremder Produktionsverfahren geben lassen und dadurch verhindern, daß Konworden war. Auch Kostensenkungen können verhindert werden. Zwei kleine Firmen wollten in der Bundesrepublik Deutschland vor kurzem zusammenarbeiten, um ihre Produktionskosten zu senken. Der größte Konkurrent verhinderte dies mit der Drohung, er werde dann solange mit ihnen prozessieren, bis sie die Prozeßkosten nicht mehr bezahlen könnten.

Die wirtschaftliche Konzentration schenkt uns also nicht nur Reichtum; sie stellt uns auch vor neue wirtschafts- und rechtspolitische Aufgaben. Die Macht, die mit jeder Konzentration verbunden ist, kann zur Ausbeutung der wirtschaftlich Schwächeren verwandt werden.