Von Johann Strauß

Hamburgische Staatsoper

Vom zweiten Weihnachtstag bis Silvester hat die Operette Hausrecht sogar auf exklusiven Opernbühnen. Als in Hamburg Rolf Liebermann den Jahr um Jahr geäußerten Abonnentenwünschen nach „unserer lieben Fledermaus“ diesmal nachgab, bedeutete das keinen „Schritt vom Wege“. In Hamburg war es nämlich, wo zwanzig Jahre nach dem verschleierten Durchfall der Wiener Uraufführung „Die Fledermaus“ von der Operette zur opera comique aufgewertet wurde. Der das (1894) wagte, hieß Gustav Mahler. Der Opernintendant Liebermann (auch sonst der Gustav Mahler unserer Tage) durfte auf dem Zwischenvorhang das Wörtchen „Operette“ getrost auslassen.

Was Leopold Lindtberg jetzt in Hamburg als „Fledermaus von Johann Strauß“ inszenierte, das ist als Musikkomödie so beispielhaft gelungen, daß nur der höchste Rangvergleich in Frage kommt: Der Vergleich mit den beiden in Hamburg unvergessenen Felsenstein-Inszenierungen. Die große Tänzerin Janine Charat hatte für den Orlofsky-Akt eine choreographische Nummernfolge entwickelt, von der das Premierenpublikum in Siedehitze versetzt wurde.

Das Bühnenbild, für das Teo Otto verantwortlich zeichnete, hatte Szenenapplaus schon vor Spielbeginn ausgelöst: als ein zweigeschossiger Aufbau langsam, wie ein musikalischer Auftakt, zum Spielstart eindrehte. Das blendendste Element steuerte Erni Kniepert bei. Wiens „bestangezogene Dame“ (Preisträgerin auch im privaten Kostümbereich) hatte Gedichte von Kleidern ersonnen.

In solch kostbarem Rahmen wurde, fern aller Operettenroutine, Musikkomödie gespielt. Der Dirigent Leopold Ludwig überraschte, indem er den musikalischen Stil weniger durch den Dreivierteltakt des „Walzerkönigs“ als vielmehr durch dessen bezeichnendere Schnellpolka-Rhythmen bestimmte. Das gab schon der Ouvertüre etwas unheimlich Drohendes.