Historische Zeitschrift, Heft 199, 2, Verlag R. Oldenbourg-München.

Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Heft 9, 64. Klett Verlag Stuttgart.

Es ist jetzt drei Jahre her, daß Fritz Fischers Buch über den „Griff nach der Weltmacht“ erschien. Im Anfang wurde das umfangreiche Buch mit seinen vielen Auszügen aus Dokumenten nur wenig beachtet. Heute ist sein Titel in aller Munde. Zwar hat die Mehrzahl der Fachkollegen sich nicht überzeugen lassen, aber auch Fischers wissenschaftliche Gegner sind durch ihn angeregt worden, alte Vorstellungen noch einmal zu überdenken. Einige Historiker sind dabei zu überraschenden Schlüssen gekommen. Wie es ein jüngeres Mitglied der Gelehrtenrepublik beim Berliner . Historikerkongreß einprägsam ausdrückte: „Vor Fischer ging die Forschung über den Kriegsausbruch und die Kriegsziele einen vorgezeichneten Weg. Er hat auf diesen Weg den mächtigen Block seines Buches geworfen, so daß die alten Straßen nicht mehr gangbar sind.

Die Forschung muß um ihn herumgehen und sich neue Wege suchen.“ So ist es wohl. Ob die kommende Generation Fischer folgen wird, mag dahingestellt bleiben. Aber auf jeden Fall wird sie viele der Auffassungen aufgeben, die bis 1961 als gesichert galten, und sie wird neue an ihre Stelle setzen. Die Forschung hat sich aus der Erstarrung gelöst.

Die heftige Kritik, die Fischer gefunden hat, hat ihn nicht nachgiebig gestimmt. In der „Historischen Zeitschrift“ setzt er sich mit ihr auseinander, weist sie zurück und beharrt auf seinen Thesen. Er legt auch neue Tatsachen vor, die für seine Darstellung sprechen. Er zitiert Hans Delbrück, der 1915 schrieb, Deutschland sei in diesen Krieg eingetreten, um selber Weltmacht zu werden. Zwanzig Jahre vorher hatte Delbrück schon den „deutschen Auftrag“ klassisch formuliert: Anteil nehmen an der Verteilung der großen Ländermassen; Deutschland sei nicht gegründet worden, damit es wieder verschwinde.