Von Heinz D. Stuckmann

Es war im Frühjahr 1960. Da rief der Architekt Borges aus Hannover beim Bauern Borchardt in Kapern (Kreis Lüchow-Dannenberg) an. Der Bauer Borchärdt war sehr verwundert, denn er kannte keinen Architekten und hatte auch nicht die Absicht zu bauen. Noch mehr verwundert war der Bauer, als der Architekt seinen Wunsch vorbrachte: er wolle einmal Ferien auf einem richtigen Bauernhof machen. Wie er dann ausgerechnet auf ihn käme, wollte Borchardt wissen. Er habe die Rufnummer dem Telephonbuch entnommen, antwortete der Architekt, und wenn es dort nicht möglich sei, ob er vielleicht dann jemand wüßte ...

Der Bauer Borchärdt wußte niemanden. Er selber habe nur ein Zimmer frei, ohne Wasser, ohne WC, also völlig unbrauchbar. Der Architekt war anderer Meinung: Das sei genau das, was er suche.

Der Bauer Borchärdt hat sich die Telephonnummer notiert und dann mit seiner Frau überlegt, ob das ein Irrer sei, oder ob es da vielleicht was zu verdienen gäbe. Die Landwirtschaft in jener Gegend bringt nicht viel Gewinn, und einen Zuschuß kann man immer brauchen. Dann zogen die Eheleute aus ihrem Schlafzimmer in den leeren Raum, damit der Gast wenigstens etwas Komfort habe (ein WC war allerdings nicht so schnell zu installieren) und sagten dem Architekten zu.

Der kam und blieb drei Wochen, und weil es ihm so gut gefallen hatte – für 5,50 Mark pro Tag mit „Bauernfrühstück“ –, kam er im Herbst noch mal für acht Tage. Und da Hans Borchärdt einer der wenigen mittleren Bauern (40 Hektar, davon 10 Hektar Forst) ist, der sich mit der Plus- und Minusrechnung auskennt, der sogar eine exakte Kalkulation für seinen landwirtschaftlichen Betrieb vorlegen kann, machte er sich mit seiner Frau an eine neue, ungewohnte Gewinn- und Verlustrechnung, zumal der Architekt gesagt hatte: Diese Ruhe hier suchen heute viele Menschen.

So rechnete Borchärdt aus, was einerseits wohl der Ausbau von zwei Zimmern, eines Bades, eines WC kosten würde und was andererseits das Projekt „Ferien auf dem Bauernhof“ abwerfen könne. Er kam zu dem Ergebnis, daß spätestens in zwei Jahren der Aufwand gedeckt sei und dann der Gewinn fließen müsse.

Da hat der Bauer Borchärdt sich zum ersten mal verrechnet. 1961 – im Frühjahr war das Bauprojekt vollendet – kamen elf Familien, und den Baukosten von 7900Markstanden5380 Mark Einnahmen gegenüber. Dabei war das erst der Anfang. Es würden also keine zwei Jahre vergehen, bis der Gewinn fließen würde. Wer einmal da war, kam auch wieder. Und ab 1963 war die Zeitungsanzeige „Ferien auf dem Bauernhof“, mit der er sein neues Unternehmen angekurbelt hatte, gar nicht mehr nötig.