Von René Drommert

Der Bühnen- und Filmautor Felix Lützkendorf hat im Jahre 1950 Hermann Hesse um die Erlaubnis gebeten, eines seiner Bücher zu verfilmen. Lützkendorf war persona grata. Er hatte mit einer Dissertation über Hesse promoviert und darin speziell die religiösen und asiatischen Herkünfte und Verwandtschaften Hesses untersucht. Hesse bescheinigte ihm „ein überdurchschnittliches Maß an Verständnis“.

Die Frage nach der Verfilmung aber enttäuschte Hesse bitter. In einem gereizten Antwortbrief sagte er, der schöne Wahn des Verständnisses sei nun teilweise zerstört. Er, kein alter Pastor oder Asket, sehe im Film durchaus kein „Teufelswerk“ und er habe nichts dagegen, daß der Film der Dichtung und dem Buch Konkurrenz macht. Es gebe Filme, die er als Zeugnisse hohen künstlerischen Geschmacks und wertvoller Gesinnung schätze und bewundere.

Ein ganz anderer Fall sei ein Film, der ein schon vorhandenes Werk der Dichtung sich aneignet und für seine Zwecke benützt. Das sei Diebstahl. „Eine Dichtung“, so meinte er, „die rein mit den Mitteln der Dichtung arbeitet, rein mit der Sprache also, darf nach meiner Auffassung nicht als ‚Stoff‘ verwendet und von einer anderen Kunst mit deren Mitteln ausgebeutet werden. Das ist, in jedem Fall, Degradierung und Barbarei.“

Auch Paul Claudel hat die Verfilmung seiner Werke abgelehnt, aber von nicht vielen Autoren wissen wir, die so entschiedene Gegner der Verfilmung sind und ihren Standpunkt so kritisch begründen.

Thomas Mann hat die Verfilmung nicht so vehement verdammt. Der nach den „Buddenbrooks“ gedrehte Stummfilm hatte ihn zwar arg enttäuscht. Aber in späteren Jahren ist er dann nachgiebig geworden, zur „Ausbeutung“ (um Hesses Ausdruck zu gebrauchen) der „Königlichen Hoheit“ hat er sein Placet gegeben, und über das Ergebnis hat er, was auch immer die Gründe gewesen sein mögen, so freundlich geurteilt, daß man in Harnisch geraten möchte, wäre der Beurteiler nicht eben Thomas Mann. Es gibt wohl kaum irgendwo einen Kritiker von Rang, der „Königliche Hoheit“ für ein bedeutendes Filmkunstwerk hielte. Wenn Hesse „der Verlockung des Weltruhms oder des Geldes standzuhalten“ vermochte, so Thomas Mann ganz gewiß auch: Beides floß ihm ja durch andere Kanäle reichlich zu. Aber der Lübecker Bürger war liberal, tolerant, weltaufgeschlossen – und zur „Welt“ gehört ja auch das Neuland. Hört man etwas genauer hin, so war Thomas Mann von der Harald Braunschen Verfilmung der „Königlichen Hoheit“ freilich nicht übermäßig eingenommen. Daß neben der Verfilmung auch das Buch gleichen Namens noch fortbestehe, sei für ihn „eine gewisse Beruhigung“. Diese Kritik ist nicht scharf, aber sie ist auch nicht undeutlich.

Die Thomas-Mann-Verfilmungen sind inzwischen ein Ärgernis geworden: die zweite Verfilmung der „Buddenbrooks“, der die ironische Distanz und Geschmeidigkeit fehlt und die daher trivial ist, „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, „Tonio Kröger“. Aber es wäre wenig ergiebig, wollte man über die Regisseure zu Gericht sitzen und ihnen Unzulänglichkeit attestieren. Die Verfilmungen sind im Prinzip verfehlt, vom Drehbuch her, von der Konzeption.