Der Kapitalmarkt ist mit Steuern und Verwaltungsvorschriften reich gesegnet. Manche von ihnen kennt der Anleger, von vielen weiß er deshalb nichts, weil sie für ihn stillschweigend von seinem Kreditinstitut beachtet und erledigt werden. Dieser Kundendienst wird durch die jeweilige Provision abgegolten. Wir brauchten uns über diese Dinge auch gar nicht zu unterhalten, wenn nicht in letzter Zeit das Wertpapiergeschäft unter Umgehung des deutschen Bankapparates an Boden gewonnen hätte. Wohlverstanden, meine verehrten Leser, ich will Sie keineswegs davon abhalten, Ihre Chancen dort zu suchen, wo Sie sie für am größten halten. Ich glaube aber, daß es gut ist, wenn Sie wissen, welche Vorschriften dabei zu beachten sind. Ob Sie sich daran halten, ist eine Sache, die Sie mit sich selbst auszumachen haben. Nur wer orientiert ist, verhält sich richtig.

Amerikanische Broker-Firmen entfalten bei uns in letzter Zeit eine bemerkenswerte Aktivität. Sie haben viel investiert, um gegen den deutschen Bankenapparat konkurrieren zu können. Es kommt ihnen nicht nur darauf an, den Umsatzausfall auszugleichen, der ihnen durch die allmähliche Verringerung des amerikanischen Besatzungspersonals in der Bundesrepublik entstanden ist, sondern sich ein solides Geschäft in Europa aufzubauen. Ich begrüße das, denn Wettbewerb tut uns auch hier allen gut.

Aber wenn Sie mit den in der Bundesrepublik ansässigen Brokern Wertpapiergeschäfte machen, müssen Sie zumindest wissen, daß Sie auch Börsenumsatzsteuer zu zahlen haben. Das kann die Brokerfirma Ihnen nicht abnehmen. Darum haben Sie sich selbst zu kümmern. Deutsche Kreditinstitute berechnen Ihnen die Börsenumsatzsteuer automatisch und führen sie dann an das Finanzamt ab. Immerhin ist der Direktabschluß eines inländischen Privatkunden mit dem Ausland (und die Brokerfirma gilt steuertechnisch als Ausland) börsenumsatzsteuerlich begünstigt. Der Steuersatz reduziert sich auf die Hälfte.

Wenn Sie ganz korrekt sein wollen, müssen Sie mit Ihrer Wertpapierabrechnung zum zuständigen Kapital verkehrssteueramt ziehen und sich dort um Börsenumsatzsteuermarken bemühen. Der Börsenumsatzsteuerpflicht unterliegen Sie übrigens auch dann, wenn Sie ausländische Investmentzertifikate „an der Haustür“ erwerben. Natürlich sind diese Dinge vom erwerben. schwer zu kontrollieren. Deshalb werden sie auch leicht „vergessen“. Aber ich glaube, es ist gut zu wissen, wann man sich etwas außerhalb der Legalität stellt.

Das geschieht auch, wenn bestimmte Meldepflichten nicht beachtet werden. Wenn jemand über eine deutsche Bank ausländische Wertpapiere kauft oder verkauft, so muß das Institut pauschal (und ohne Angaben von Namen) melden, welche Geschäfte mit dem Ausland gemacht worden sind. Die Anonymität bleibt auf alle Fälle gewahrt. Gehen Sie andere Wege und schließen Sie Direktgeschäfte mit dem Ausland ab, so müßten Sie nach den geltenden Bestimmungen diese Geschäfte unter eigenem Namen bei der zuständigen Landeszentralbank melden. Und zwar stets dann, wenn die Beträge über 500 Mark hinausgehen. Die Meldungen kosten nichts, aber manchem Anleger ist es nicht gerade angenehm, wenn er einer halbamtlichen Stelle offenbaren muß, was er mit seinem Geld macht.

Wenn Sie diese Meldungen nicht vornehmen, wird sie niemand vermissen. Es sei denn, gute Freunde sorgen dafür, daß die zuständigen Stellen von Ihrer Vergeßlichkeit erfahren.

Bis zur nächsten Woche!

Ihr Securius