Günter Grass las 1962 den in Berlin versammelten 47ern einige Abschnitte aus einem Berlin-Roman von Rolf Haufs vor, die einen zwiespältigen Eindruck hinterließen: das Einerseits-Andererseits, welches das Schicksal der Stadt ist, übertrug sich zwar als thematisches Prinzip auf die Romanteile, konnte jedoch den kritischen Wunsch nach einer klaren Unterscheidung von Modischem und Kunstgerechtem nicht immer zufriedenstellen. Der Roman wurde bisher nicht veröffentlicht; dafür erschienen noch 1962 Gedichte von Haufs unter dem Titel „Straße nach Kohlhasenbrück“. Kohlhasenbrück liegt, wie das „Dorf S.“ (Steinstücken), um das es im Roman geht, am Rande Westberlins; Berliner Gedichte also – ein ebenso sympathisches wie gefährliches Genre gegenwärtiger Poesie, dem der Autor mit seinem zweiten Gedichtband gleichwohl treu geblieben ist –

Rolf Haufs: „Sonntage in Moabit“, Gedichte; Luchterhand Verlag, Neuwied; 48 S., 7,50 DM.

Und doch hat sich etwas geändert. Schon äußerlich: die Verszeilen sind kürzer, die Gedichte knapper geworden; das Eingangsgedicht etwa („Sonntage“ – ihm folgen Verse über die anderen Wochentage), das vor zwei Jahren bereits in einer Zeitschrift stand, hat inzwischen mehr als die Hälfte seiner Wörter verloren; Haufs faßt sich kürzer. Altkluge Attacken, die man, wohlverpackt in Zitaten, im ersten Gedichtband noch finden konnte, gibt es jetzt nicht mehr. An ihrer Stelle stehen strenge Aussagen, dringliche Aufforderungen:

Höre

Jede Verzweiflung ist konkret

Jedes Wissen treibt deinen Fuß

Alle Erfahrung vergrößert deinen Traum