Große Reiseunternehmen, Flug- und Schiffsgesellschaften geben für Teilnehmer und Passagiere ihrer Reisen Magazine heraus, die, je nach Ansehen und Kapital der Gesellschaft und der Einschätzung der Gäste, mehr oder weniger informierend und voll von werbenden Texten über die große weite Welt sind. Sie haben mehr oder weniger Snob-Appeal, enthalten Reste von Romantik, verraten Hang zum Abenteuer. Sie werden bei größerem Anspruch auf Kunstdruckpapier geliefert, sind drucktechnisch und graphisch erfreulich großzügig, aber oft auch von gepflegter Langeweile. Französische Magazine dieser Art zeichnen sich durch die phantasievollsten Bild- und Textarrangements aus. Amerikanische aber haben wohl das meiste Geld, um Experimente zu bezahlen, die alles bisherige in den Schatten sollen. Die graphische Kunst profitiert davon.

Für die Gestaltung der „United States Lines Review“, die für die Passagiere der Schiffe „United States“ und „America“ gedruckt ist, wurde der französische Action-painting-Maler Georges A. Mathieu engagiert. Er bedeckt die feinsatinierten Seiten mit durchaus gegenständlichen englischen und französischen Texten, Zeichnungen und Photomontagen mit blauen und roten Schriften und Lineament. Sieht man einmal von dem Gewicht der Artikel ab, deren Autoren in der vorliegenden, den „Navigatoren des Geistes“ gewidmeten Ausgabe, Karl Jaspers, Carl G. Jung, Werner Heisenberg, Pierre Boulez, Salvador Dali und viele mehr sind – allein das Durchblättern des Heftes ist amüsant und faszinierend; man wird schließlich gezwungen, alles zu sehen und sogar zu lesen. Jede Seite überrascht mit gewagten Einfällen, Arrangements, Placierungen. Zu einem Beitrag von Ionesco ist als Illustration vierzehnmal der Kopf des Autors über eine halbe Seite geworfen, mathematische Formeln sind als ornamentale Überdrucke genutzt. Der Beitrag über die Bedeutung des Zufalls für die Forschung wird durch das Photo einer griechischen Skulptur illustriert, der gezeichnete Würfel als Augen eingesetzt sind.

Am Anfang des Inhalts, der von Anzeigen nicht unterbrochen wird, steht die Zeichnung einer elektronischen Maschine, vom Parthenon überdeckt – und damit ist der Inhalt des Heftes, der den Zusammenprall von Wissenschaft und Transzendenz, den großen Bogen extremer geistiger Leistung des Menschen und vielleicht ihre mögliche Verbindung in der Zukunft spiegelt, ansprechend auf eine sichtbare Formel gebracht. EM