Von Werner Höfer

Dies könnte ein Denkmal des unbekannten Steuerzahlers sein: eine hölzerne Skulptur, einen gebeugten Mann am Stock darstellend. Das Kunstwerk, auf den ersten Blick an Ernst Barlach erinnernd, stammt von Zoltan Szekessy, wurde dem großen Bildhauer Gerhard Marcks gewidmet und geriet – offenbar im Zuge der künstlerischen Aufforstung der Bundesbehörden – in das Wartezimmer des Bundesfinanzministers.

Dr. Rolf Dahlgrün hat sich den Besuch eines neugierigen Steuerzahlers auf den Hals geladen, weil er als des Bundes höchster Geldeinnehmer und -ausgeber just in den letzten Tagen des alten Jahres die obersten Bundesbehörden um äußerste Zurückhaltung und größte Sparsamkeit ersucht hat.

„Herr Minister, versuchten Sie, mit diesem Appell auf der Woge der guten Vorsätze zu reiten, von denen sich Bürger und Behörden über die Schwelle des neuen Jahres tragen lassen?“

„Wenn mein Appell in diesen Tagen auf eine besonders günstige Disposition in der Öffentlichkeit trifft, kann es mir nur recht sein. Von der Sache her ist diese Mahnung nicht an den Kalender gebunden; denn sie ist immer aktuell.“

„Dennoch könnte man aus diesem Appell den Vorwurf heraushören, die öffentlichen Hände’ gingen mit den Steuergeldern verschwenderisch um.“

„So möchte ich keineswegs verstanden werden. Denn in dieser allgemeinen Form kann ein solcher Vorwurf ernsthaft nicht erhoben werden. Es gibt gewisse Fälle, in denen ich mich frage, ob die eine oder andere Ausgabe wirklich gerechtfertigt ist, ob es nicht vielleicht notwendigere Dinge gibt als gerade der vorgesehene Verwendungszweck, und es gibt sicherlich auch Zahlungen, über die ich mich ein wenig ärgere, weil ich mir sage, das Geld hätte vielleicht anderswo besser verwendet werden können. Aber das sind Einzelfälle, und es handelt sich dabei auch selten um größere Beträge.