Von Kurt Simon

Nein, wir wissen es nicht, wir sind nur eine reine Verkaufsgesellschaft...“ Der Stimme am Telephon hört man an, daß sie diese Auskunft schon ein dutzendmal gegeben hat. Die Aral AG hat zu den Berichten über eine „Ehe“ zwischen der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien-Gesellschaft (GBAG) und der Socony Mobil Oil nichts zu sagen.

Der Mobil-Oil-Sprecher weicht ebenfalls aus. Weltmännisch höflich verweist er auf die GBAG, die größte deutsche Energiegesellschaft, der nach einer Absprache das alleinige Auskunftsrecht zustehe. Doch vorsichtig tastet er zugleich den Frager nach seinen Kenntnissen in dieser delikaten Angelegenheit ab. Weiß der nichts oder stellt er sich nur so ...?

Und die Reaktion in Essen, wo die GBAG domiziliert? „Wir sagen nichts ...“

So begann der Versuch, wichtige Vorgänge am deutschen Benzin- und Ölmarkt zu erkunden. So könnte auch ein spannender Roman beginnen, ein Roman, den die meisten Autofahrer nicht kennen, die an der Tankstelle mit einem Kopfnicken die höfliche Frage beantworten: „Darf ich volltanken, Öl, Wasser, Reifendruck nachsehen und die Scheiben säubern?“ Schon dieser Kundendienst, der in anderen Wirtschaftsbereichen längst nicht mehr üblich ist, macht deutlich: am Benzinmarkt herrscht augenscheinlich ein härterer Kampf, als es das Gerede von Absprachen der großen Ölkonzerne wahrhaben will.

Die Tankstellen, die an jeder Straßenecke gebaut werden, sind kein Gegenbeweis. Je mehr Tankstellen im Besitz eines ölunternehmens sind, desto größer sind seine Absatzchancen. Ein umfassendes Tankstellennetz auf einem großen Nachfragemarkt kann eine Goldgrube sein.

Das weiß niemand besser als die Socony Mobil Oil Company in New York, die nach Ölförderung, Verarbeitung und Umsatz an dritter Stelle in der Reihe der berühmten „großen Sieben“ des Weltölmarktes steht, hinter Esso und Shell. So weltumspannend ihr Ölgeschäft auch ist – in der Bundesrepublik gibt es nicht eine Mobil-Oil-Tankstelle.