Von Wolfgang Ebert

Wozu eine angetraute Frau gut ist, merkt ein Mann unter anderem auf Reisen. Reisende Junggesellen und Strohwitwer haben es heutzutage überall schwer. Sie werden von den Hotels und Hotel-Pensionen ganz offenkundig als Ärgernis betrachtet, als ein Fossil aus fernen Zeiten, als Menschen noch nicht gleich nach der Pubertät den Bund fürs Leben schlossen. Dem allerdings keine Kinder entsprießen dürfen, denn reisende Ehepaare mit Kindern, sind den Hoteliers fast noch unsympathischer als Leute, die allein reisen. Einzelzimmer werden jedenfalls kaum noch gebaut, und die letzten werden eben gerade in Doppelzimmer umgewandelt. Vielleicht hat das – wie so vieles bei uns – baupolizeiliche Gründe. Oder heimlich, hinter unserem Rücken, hat ein Bund für Eheförderung die Macht überübernommen.

Am schwersten aber haben es, scheint mir, Einzelreisende in Bern, der Hauptstadt der Schweiz. Dort fehlt es ohnehin schon an Hotelbetten. Einen ganzen Vormittag hatte ich damit verbracht, ein Zimmer zu finden. Schließlich schien das Problem gelöst. In der Gerechtigkeitsgasse hatte ich ein Doppelzimmer gefunden. Ich war allein. Das war mein Pech. Ich schlug vor, mir ein Bett zu geben in einem Doppelzimmer. Gegenargument: Und wenn später ein Paar kommt, was dann? Das sah ich ein. Müde schlug ich vor: Ich zahle für beide Betten!

Der Empfangschef sah mich rechtschaffen mit kühlen Augen an. Auf was für ausgefallene Ideen diese deutschen Touristen manchmal kommen. Er schüttelte den Kopf. Nein, das ginge nicht. Das sei, wie er sich ausdrückte, nicht „gerecht“. Und so trieb er mich gerechterweise zurück in die Gerechtigkeitsgasse, zurück auf die Straße. Wäre es nicht gerade Bern, ich hätte mich einfach von einer zuständigen Dame ansprechen lassen können. In den meisten Hotels hätte ich das Zimmer dann wahrscheinlich bekommen. Zu zweit wären wir ja nun gewesen. Auf diese Weise kann man zur Unmoral verführt, mitunter gar in den Hafen der Ehe getrieben werden. Und wer sich dort bereits befindet, womöglich nicht sonderlich glücklich, erkennt neue Vorteile.