H. B., Rom, Ende Dezember

Das weihnachtliche Wahldrama Italiens ist beendet. Nach 21 Wahlgängen hat das Land wieder einen Präsidenten: den 66jährigen Giuseppe Saragat, den Gründer der sozialdemokratischen Partei und bisherigen Außenminister.

In dem quälenden Hin und Her der Wahl hat sich eines mit erschreckender Deutlichkeit offenbart: die konstitutionelle Schwäche der führenden Partei, der Democrazia Cristiana. Die Christdemokraten sind durch die internen Machtkämpfe ihrer widerstreitenden Flügel völlig zerrissen. Kein Wunder, daß sie nicht imstande waren, ihren Willen in der Wahlversammlung auf einen einzigen Kandidaten auszurichten. So wurden sie von den zahlenmäßig unterlegenen Kommunisten schrittweise zurückgedrängt, bis sie schließlich auf jede eigene Initiative verzichteten.

Giuseppe Saragat ist der erste Sozialist im Quirinal-Palast. Zugleich ist er der erste Präsident Italiens, dessen Wahl die Kommunisten nicht nur moralisch, sondern auch praktisch herbeigeführt haben. Auch Gronchi hatte sich 1955 auf die Kommunisten gestützt, aber die Christdemokraten besaßen damals noch Vernunft genug, sich zuletzt offiziell hinter die unerwünschte Kandidatur zu stellen. Diesmal blieben sie bis zum Schluß gespalten.

Gewiß erwarten die Kommunisten keine Belohnung von Saragat. Er ist nicht der Mann, ihnen Konzessionen zu gewähren. So wetterwendisch und launisch er auch sein mag – in den wesentlichen Dingen zeigt er doch Konsequenz bis zur Starrköpfigkeit. Er ist ein unnachgiebiger Demokrat, Sozialist und Antifaschist. In seinem ganzen Leben und in seiner ganzen politischen Laufbahn gibt es keinen Moment der Schwäche, in dem er der herrschenden Macht auf Kosten der demokratischen Freiheit Zugeständnisse gemacht hätte.

In einer Situation, in der manche Befürchtungen um die Stabilität der demokratischen Einrichtungen Italiens aufgekommen sind, ist Giuseppe Saragat wohl der Mann, der seinem Lande als Präsident das Vertrauen in die Zukunft zurückzugeben vermag.