Das englische Pfund ist nach wie vor „im Gerede“. Wird abgewertet oder nicht, und wenn ja, wann und wieviel? Die Börse, die seit jeher meint, „die Zukunft vorwegnehmen“ zu können, hat sich auf eine Abwertung von mindestens 10 Prozent festgelegt. 20 Prozent hält? sie zwar für wahrscheinlicher, aber die Mehrheit der Kapitalanleger ist noch nicht bereit, für diese Auffassung mit Geld und Gut einzutreten.

Bester Gradmesser für die Pfund-Beurteilung ist zur Zeit der Kurs der fünfprozentigen Dawes-Anleihe, soweit sie auf Pfund Sterling lautet. Sie ist nicht „währungsgeschützt“, sondern unterliegt jeder Wechselkursänderung, die für das Pfund beschlossen wird. Bevor die Pfund-Krise offen ausbrach, notierte die Dawes-Anleihe noch 103 Prozent, inzwischen ist sie auf etwa 94 Prozent zurückgefallen, also um rund 10 Prozent ihres Wertes.

Bis 1969 muß die aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg stammende Anleihe voll zurückgezahlt sein. Wer heute zu 94 Prozent kauft, bekommt die Zinsen nicht nur steuerfrei, sondem besitzt auch die sichere Aussicht, über kurz oder lang 100 Prozent zurückzubekommen. Man sollte meinen, daß die Bundesschuldenverwaltung die günstige Gelegenheit ausnutzt, um die angebotenen Anleihestücke, für die sie bei der offiziellen Tilgung 100 Prozent zahlen müßte, jetzt billig in ihren Besitz zu bekommen. Aber nichts dergleichen! Ihre Zurückhaltung läßt nur zweierlei Schlüsse zu. Entweder mangelt es ihr an den Möglichkeiten, sich kaufmännisch vernünftig zu verhalten, oder sie ist – wie viele andere – von der Unvermeidbarkeit einer Pfundabwertung überzeugt. Damit stände sie dann allerdings in ihrer Auffassung im Gegensatz zur Bundesbank, die im Verein mit anderen Notenbanken Milliardenbeträge bereitgestellt hat, um eine Pfund-Abwertung zu verhindern. K. W.