Von Werner Höfer

Was für das Erste Programm nachgerade zur Routine geworden ist, hat nun auch die „Mainzelmännchen“ erwischt: ein „Fall“. Für Sendungen wie „Panorama“ oder „Hallo, Nachbarn!“ versteht es sich fast vonselbst, daß sie den „Ärger vom Dienst“ produzieren. Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) aber, von Geldsorgen ohnehin verhängnisvoll heimgesucht, hat sich bislang peinlich gehütet, politisch Anstoß zu erregen. Das Unheil, das man so gern von seiner Schwelle verbannt hätte, kam nun doch durch eine Hintertür, die man besonders gut gesichert glaubte, ins Haus.

Da gibt es nämlich, seit die Mainzer im April 1963 „in die Luft gingen“, am letzten Donnerstag eines jeden Monats im Zweiten Programm eine Sendung, zu der es im Ersten Programm kein Gegenstück und nicht einmal, ein Vorbild gibt, obwohl ein paar vertraute Elemente darin wiederzuerkennen sind: „Journalisten fragen – Politiker anworten.“ Mit dieser Sendung entspricht das ZDF einer Forderung des Staatsvertrages, den Parteien angemessene Sendezeiten einzuräumen. Die Parteien präsentierten ihren Mainzer Gastgebern einen Vorschlag, der Einsicht verriet und die Absicht nicht verbarg, politische Wirkung zu erzielen – und Langeweile zu vermeiden.

Man verzichtete darauf, getrennt zu monologisieren, sondern wollte vereint diskutieren. Freilich vollzog sich diese Diskussion nach Spielregeln, die zwar Funken sprühen, aber keinen Brand ausbrechen ließen. Die Vertreter der Parteien (der CDU, der SPD, der FDP und – bei jeder zweiten Sendung – auch der CSU) saßen friedlich nebeneinander und durften nur artig auf Fragen ihrer journalistischen Gesprächspartner antworten, ohne sich untereinander auf einen Wortwechsel einzulassen.

Wenn jedoch die Hitze des Gesprächs gewisse Temperaturen erreicht, brennen diese Sicherungen durch, und so geschah’s – nicht zum erstenmal! – an jenem Donnerstag im Dezember, als Bundestagspräsident Dr. Eugen Gerstenmaier für die CDU, stellvertretender Parteivorsitzender und Fraktionsvorsitzender Fritz Erler für die SPD, der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Willy Weyer, für die FDP und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß für die CSU auf die Fragen der Journalisten Robert Schmelzer von den CDU-nahen Dortmunder „Ruhr-Nachrichten“, Ulrich Dübber vom RIAS Berlin und des Gesprächleiters Reinhard Appel antworteten.

Reinhard Appel, der aus einer alten schlesischberlinischen Zentrumsfamilie stammt, der bald nach Kriegsende zur „Stuttgarter Zeitung“ geriet, seit Jahr und Tag für dieses Blatt in Bonn tätig ist und als Korrespondent von anerkannter Qualität und ausgeglichenem Temperament beliebt ist – diesem freundlichen jungen Herrn fiel die Leitung dieser Gespräche zwischen Parteipolitikern und Journalisten in den Mainzer Gründertagen wie ein Geschenk des Himmels in den Schoß...

„... vermutlich, weil ich damals gerade Vorsitzender der Bundespressekonferenz war, was es den Parteien leichter machte, sich auf mich zu einigen.“