Das Bundesfinanzministerium ist verärgert. Es wirft den Banken „Rache für die Kuponsteuer“ vor, weil in den letzten Tagen vor Weihnachten die Bundesbank täglich etwa eine Million Mark zur Stützung der öffentlichen Anleihen an der Börse einsetzen mußte. Auf diese Weise ist sie zu einem Bestand von rund 300 Millionen Mark allein von Bundesanleihen gekommen, und in gleicher Höhe mußten außerdem Anleihen von Bahn, Post und Ländern aufgenommen werden.

Diese Anleihen, die wieder einen neuen Absatz suchen, verstopfen jetzt den Kapitalmarkt und behindern die notwendigen Neu-Emissionen. Dafür aber die Banken verantwortlich zu machen, weil sie die auf Grund der Kuponsteuer der Bundesregierung aus dem Ausland zurückfließenden Stücke nicht in ihr eigenes Portefeuille hereingenommen haben, dürfte kaum gerechtfertigt sein.

Wenn jetzt der Kapitalmarkt von ausländischen Geldern leergefegt ist und der Absatz von Anleihen allein auf die inländischen Anleger angewiesen bleibt, so kann man das nicht den Banken anlasten. Sie haben jetzt selbst alle Mühe, ihre Quoten bei den öffentlichen Anleihen unterzubringen. Vielfach geht dabei ein Teil ihrer Bonifikation als Rabatt verloren. So ist es verständlich, wenn das Bankenkonsortium darauf gedrungen hat, die Bonifikation für ihre Bemühungen um 1/8 auf 1 5/8 Prozent zu erhöhen. Damit erlöst der Bund bei der nächsten Anleihe rund 0,5 Millionen Mark weniger.

Wenn der Staat mit steuerlichen Maßnahmen in einen freien Markt eingreift, darf er sich nicht wundern, wenn sich die Folgen seiner Beschlüsse auch gegen ihn richten. – ndt