Von Hermann s. Hoyer

Die Seeschiffahrt wurde in der letzten Dekade des Novembers von zwei Katastrophen heimgesucht, die auf das Konto herbstlicher Nebel gehen. Jedenfalls mußte dieser Eindruck durch die Meldungen der Agenturen entstehen. Und die Augen des Lesers schweiften ab zu den Schlagzeilen über die Greuel im Kongo ...

Sind Schiffsunglücke im Nebel, bei denen im günstigsten Falle Sachwerte – bis zu 300 Millionen DM –, oft freilich auch Menschenleben verlorengehen, wirklich Schicksal?

Nein. Der Beweis ist leicht zu führen.

Am 23. November stieß der griechische Tanker „Hyperion“ (23 680 BRT) vor der portugiesichen Küste mit dem Panamafrachter „Zakia“ (7030 BRT) im dichten Nebel zusammen. Der Frachter sank. Der Tanker wurde schwer beschädigt und lief Lissabon als Nothafen an. Alle Besatzungsmitglieder wurden gerettet.

Vier Tage später kollidierte 27 Meilen vor New York das israelische Luxusschiff „Shalom“ (25 320 BRT) mit dem norwegischen Tanker „Stolt Dagali“ (12 723 BRT). Das norwegische Schiff wurde in zwei Teile zerschnitten. Das Hinterteil versank, und zwanzig Mann der 43köpfigen Besatzung kamen ums Leben.

In beiden Fällen war der Zusammenstoß derart stark, daß ein Schiff verlorenging. Die Geschwindigkeit muß also vor der Kollision zu hoch gewesen sein. Es ist anzunehmen, daß zumindestens von den Schiffsführungen der rammenden Schiffe die elementaren Regeln der international gültigen Seestraßenordnung nicht beachtet wurden. Warum?