Wenn es uns am Herzen liegt, das Andenken an Pierre Brisson, den soeben verschiedenen Chefredakteur des „Figaro“ in einige Worte zu fassen, dann auch deshalb, weil er zu den führenden Journalisten Frankreichs zählte, denen – weit vor de Gaulle – an einer Versöhnung mit Deutschland und an einer Zusammenarbeit gelegen war.

Pierre Brisson, der 68 Jahre alt geworden ist, war im großen internationalen Journalismus eine Erscheinung, die höchst anziehend wirkte. So kühl er bei aller Höflichkeit war, so groß war seine Fähigkeit, mit eigenwilligen Menschen umzugehen. Er hat so kluge Köpfe und aufgeschlossene Charaktere wie den Diplomaten François-Poncet und den Sorbonne-Professor Raymond Aron als Mitarbeiter seines großen konservativen Blattes verpflichtet, an dem mitzuwirken, viele Mitglieder der Französischen Akademie es sich zur Ehre anrechnen. Er galt nicht nur seinen Mitarbeitern, sondern schließlich der Öffentlichkeit als die Verkörperung des „Figaro“ selbst.

Von bleibender Geltung werden seine Bücher über Molière, Racine und Tschechow sein. Vergleicht man die Kunst der Sprache, die hier brilliert, mit der energischen Trockenheit, deren er sich in den wenigen Leitartikeln bedient, die er schrieb, so taucht das Bild eines Mannes auf, welcher der Kunst sein Herz und der Politik seinen gesunden Menschenverstand gab.

Und wie gesagt: Die Deutschen, gegen die er im Ersten Weltkrieg als Soldat, im Zweiten als Politiker gekämpft hatte, haben ihm zu danken, daß er frei von Ressentiments und voller Verständnis war. J. M.-M.