Von Walther Weber

Gerade zwei Monate sind seit der Einführung der britischen Importsteuer vergangen, die bei den deutschen Maschinenbauaktien zu kräftigen Kurseinbrüchen führte. Heute zeigt sich – auch an den wieder befestigten Kursen –, daß die Sorgen übertrieben waren, die man sich an den Börsen über die Ausfuhrchancen der Branche machte.

So exportorientiert die fast 4000 Unternehmen der deutschen Maschinenindustrie auch sind – sie liefern durchschnittlich 40 Prozent ihrer Produktion ins Ausland und bestreiten ein Fünftel der westdeutschen Gesamtausfuhr –, es werden doch nur zwei Prozent der gesamten Erzeugung nach Großbritannien verkauft, das selbst eine große Tradition im Maschinenbau besitzt.

Das Produktionsprogramm der Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD), Köln, und der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN) ist breit angelegt und die Ausfuhr so gestreut, daß die Maßnahmen eines Landes keines der beiden Unternehmen entscheidend treffen können.

Wie anpassungsfähig und ertragsstark Klöckner-Humboldt-Deutz und die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg sind, haben sie eindrucksvoll im vergangenen Geschäftsjahr unter Beweis gestellt. Trotz eines leicht um ein Prozent auf 1,24 Milliarden Mark rückläufigen Umsatzes konnte MAN den Gewinn – gemessen am Aufkommen der Ertragssteuern – um 16 Prozent steigern. Auch KHD hat die Überschüsse kräftig um etwa 18 Prozent erhöht, obwohl sich der Umsatzanstieg mit 4 (nach 12) Prozent auf 1,59 Milliarden Mark wesentlich abgeflacht hat. Beide Unternehmen bleiben zwar bei einer Dividende von 16 Prozent, die MAN nun schon vier Jahre und KHD seit zwei Jahren ausschüttet; beide Gesellschaften haben aber mehr für die Stärkung der offenen und stillen Reserven tun können. Wie war das möglich in einem Jahr, das nicht nur im Zeichen eines unvermindert harten Wettbewerbs, sondern einer weiteren Arbeitszeitverkürzung und wachsender Personalaufwendungen stand?

Einmal hat sich der konjunkturelle Aufschwung im Herbst 1963 in einer steigenden Nachfrage nach Investitionsgütern niedergeschlagen. Zum anderen haben sich bei beiden Gesellschaften die früheren Investitionen sowie die Bemühungen um einen rationelleren Arbeitsablauf günstig und kostensparend ausgewirkt. Die modernen Fabrikanlagen, die MAN und auch KHD dezentralisiert an fünf bzw. acht Plätzen im Bundesgebiet unterhalten, waren in fast allen Bereichen voll beschäftigt. Dazu hat vor allem die gestiegene Auslandsnachfrage beigetragen. Sie führte bei Klöckner-Humboldt-Deutz zu einer Erhöhung des Exportumsatzes um 12 Prozent und einer Steigerung der Ausfuhrquote um zwei auf 34 Prozent. Auch MAN konnte seine Lieferungen an das Ausland ausweiten. Die Zunahme der Exportverkäufe um 9 Prozent erhöhte den Exportanteil von 28 auf 31 Prozent.

Die Fertigung größerer Stückzahlen hatte in einigen Produktionsbereichen eine Kostendegression zur Folge. „Je größer die Ausbringung, um so geringer sind die Kosten je gefertigte Einheit.“ Diese wirtschaftliche Erfahrung gilt ganz besonders bei diesen beiden Gesellschaften, bei denen in vielen Arbeitsbereichen die Fertigung kleiner Stückzahlen vorherrscht. Denken wir an den Bau von Großanlagen, Schiffsmotoren oder Druckpressen. Oder vergegenwärtigen wir uns die Fabrikation von Schienenfahrzeugen oder Lastkraftwagen. Hier ist eine Massenproduktion nicht möglich. Zu niedrig sind die Auftragszahlen, zu speziell sind die Wünsche der Kundschaft, um – wie beim Bau von Personenkraftwagen – eine wirtschaftlich tragbare Automatisierung der Fertigung zu erlauben.