Das, was wir unter Entwicklungshilfe verstehen, hat in letzter Zeit erheblich an Popularität eingebüßt. Zunehmend werden kritische Äußerungen über Sinn und Wert solcher kostspieligen Aktionen laut. In vielen Fällen ist das zwar verständlich, aber gleichwohl bedauerlich. „Noch sehen wir eine rationale Entwicklungspolitik als Chance und nicht als Bürde an“, meinte der Präses der Handelskammer Hamburg, Professor Dr. Rolf Städter vor der traditionellen Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns.

Er warnte jedoch die Empfänger westlicher Entwicklungshilfe, die Bereitschaft zur Hilfe in eine Verpflichtung umzudeuten. Das sei um so weniger zulässig, als mancherorts in den Entwicklungsländern nicht erkannt zu sein scheine, daß am Anfang jeder Entwicklungsaktion die Selbsthilfe stehen muß. Die auf der Genfer Welthandelskonferenz wiederholt erhobenen Forderungen der Entwicklungsländer nach größeren Abnahmeverpflichtungen und verstärktem Kapitalexport der Industrieländer seien die Folge der Finanzierung des Wachstums über die Inflation. Die Verpflichtung zur Bekämpfung inflationärer Tendenzen liege aber nicht bei den Industrieländern, sondern vor allem bei den Entwicklungsländern selbst.

Aber werden diese Erkenntnisse helfen? Die Entwicklungsländer wissen nur zu gut auf dem Klavier des Ost-West-Gegensatzes zu spielen und ihre sich hieraus ergebenden politischen Chancen zu nutzen. Die Bundesrepublik weiß davon ein Lied zu singen. Solange wir auf das Wohlwollen der Entwicklungsländer in der UNO und anderen internationalen Organisationen angewiesen sind, werden die Richtlinien unserer Entwicklungspolitik nicht von der wirtschaftlichen Vernunft, sondern von der Hoffnung bestimmt werden, daß sich die Entwicklungsländer auf diese Weise den Verzicht auf die Anerkennung der „sogenannten“ DDR abkaufen lassen.

K. W.