Sofapuppen, Papageien und Pantoffelhelden – der „statistische Mensch“ wie er leibt, lebt, und was er denkt

Er ist etwa 34 Jahre alt, hat dunkelblondes Haar, blaue Augen, wiegt 81 Kilo und ist 1,74 Meter groß. Sein Brustumfang beträgt 96 Zentimeter, er hat einen Taillenumfang von 88 und einen Hüftumfang von 104 Zentimetern.

Sie ist zwei Jahre älter, hat dunkelblondes Haar wie er und blaue Augen, wiegt 65 Kilo und ist 1,62 groß. Ihr Brustumfang beträgt 92 Zentimeter, sie hat einen Taillenumfang von 70 und einen Hüftumfang von 98 Zentimetern. Seine Schuhgröße ist 42, ihre 38. Die Kragenweite ist bei beiden gleich: 40.

Der statistische Bundesbürger

Er und sie sind nicht die Bewerber einer internationalen Schönheitskonkurrenz, sie sind der Bundesbürger schlechthin, genauer: das arithmetische Mittel aller Einwohner der Bundesrepublik, kurz Menschen wie du und ich, oder wie Hubert Troost sie nennt: „Statistische Mitmenschen.“ Auf 168 Seiten hat Troost alles zusammengetragen, was er über den Durchschnittsdeutschen erfahren konnte. Was Statistiker, Meinungsforscher und Soziologen in Tabellen zusammenfaßten, schlüsselte er auf, zählte neu zusammen, packte Produktionsziffern dazu und versucht mit vielen (leider nicht sonderlich guten) Photos deutlich zu machen, wer sie denn eigentlich sind, der Herr Schulz oder die Frau Schmidt.

Daß man mit Statistiken wunderbar lügen kann, wissen wir seit Disraeli, und dennoch, die Zahlen, die alles so scheinbar absolut ausdrücken, faszinieren, belustigen oder ärgern uns gar: „Wieso, mich hat noch niemand gefragt“, das Standardargument all jener, die (nicht ganz zu unrecht) etwas gegen die Ergebnisse der Meinungsbefrager haben und (nicht ganz zu unrecht) Statistik für einen faulen Zauber halten. Der Econ-Verlag preist das Buch von Hubert Troost (mit Photos von Siegfried Kühl) dem Leser mit den Worten an, daß er es „zur grundlegenden Information über die Bundesrepublik Deutschland wie zum selbständigen Nachschlagen“ benutzen könne. Kompendium her, Kompendium hin, es ist auf jeden Fall beruhigend zu wissen, daß man nicht aus der Reihe der Bundesbürger tanzt, wenn man sich auf der Straße nach hübschen Beinen umsieht: Es ist gezählt worden, daß 68 Prozent aller Männer es nicht lassen können.

Ehe und Moral