DIE ZEIT

Geschäfte mit der DDR

Das Bonner Konzept für innerdeutsche Beziehungen soll revidiert werden. Willy Brandt verkündete auf seiner letzten Pressekonferenz im alten Jahr, daß die zuständigen Bundestagsausschüsse Mitte Januar in Berlin dazu Empfehlungen ausarbeiten werden.

Ein Drehbuch für Deutschland

In Bonn hat es am Neujahrstag ein unangenehmes Erwachen gegeben. Nach den Franzosen bedeuteten nun auch die Amerikaner der Bundesregierung, daß sie sich von einer neuen Deutschland-Initiative derzeit wenig versprechen.

Weiter auf Entspannungskurs

Beide Häuser des amerikanischen Kongresses spendeten Präsident Johnson lebhaften Beifall, als er in seiner Botschaft zur „Lage der Nation“ die neuen Führer der Sowjetunion zu einem Besuch in die Vereinigten Staaten einlud, damit sie sich aus erster Hand ein Bild dieses Landes machen könnten.

Die Bonner Schwenkung

Der Schock, den die nun so betriebsam abgeschwächten Äußerungen Dean Rusks zur Deutschlandfrage in der CDU/CSU und bei der Bundesregierung hervorgerufen haben, wirkt stärker nach, als Regierung und Union nach außen hin zugeben.

Der Chef des „Figaro“

Wenn es uns am Herzen liegt, das Andenken an Pierre Brisson, den soeben verschiedenen Chefredakteur des „Figaro“ in einige Worte zu fassen, dann auch deshalb, weil er zu den führenden Journalisten Frankreichs zählte, denen – weit vor de Gaulle – an einer Versöhnung mit Deutschland und an einer Zusammenarbeit gelegen war.

Zeitspiegel

In Washington wachsen die Hoffnungen auf einen Staatsstreich in Kuba. Die Amerikaner setzen allerdings nicht mehr auf die Exilorganisationen.

Unfrohes UN-Jubiläum

20 Jahre nach der Gründung : Finanzierungsstreit, Rassen-Ressentiments und erster Austritt

Wenn Parlamentarier Unrecht tun

Hans-Christoph Seebohm war, bevor er 1949 Bundesverkehrsminister wurde, Leiter eines Industrieunternehmens und seit 1946 Präsident der Industrie- und Handelskammer in Braunschweig.

Wolf gang Ebert:: Prognosen 65

Dem neuen Jahr sehe ich mit Vergnügen entgegen. Es wird nämlich aller Voraussicht nach einige Ereignisse bringen, die unsere Herzen höher schlagen lassen.

Ärger im Zweiten Kanal

Was für das Erste Programm nachgerade zur Routine geworden ist, hat nun auch die „Mainzelmännchen“ erwischt: ein „Fall“. Für Sendungen wie „Panorama“ oder „Hallo, Nachbarn!“ versteht es sich fast vonselbst, daß sie den „Ärger vom Dienst“ produzieren.

„Destruktive Rolle“

Martin Niemöller, der standhafte Streiter, hat auch mit seiner jüngsten kritischen Bilanz Bonner Politik seine Kritiker gefunden – maßvolle, wie seine Amtsbrüder Lilie und Scharf, wütende, wie Franz Josef Strauß.

Ein Mann namens Schräder

Der 32jährige Alfons Schrader ist ohne Zweifel ein vielseitiger Mann; zumindest hat er sich schon in manchem Beruf geübt. Das Amtsgericht Tiergarten in Berlin adressierte seinen Strafbefehl an den Kaufmann Alfons Maria Hubert Schräder, der Betriebspaß Nummer 1013 der amerikanischen Armee in Europa enthält den beruflichen Vermerk „Kraftfahrer“, und zuletzt war er Hausmeister in einem amerikanischen Offiziersheim in Kronberg im Taunus.

Dein Freund und Helfer

Mattuschek hatte seinen Wagen verkauft, für 3200 DM, mit sämtlichen Extras. In einem Lokal, das neu eröffnet hatte, aß er ein Schinkenbrot und beobachtete die Fische in dem Aquarium.

Nur für Nichtraucher

Das Wintersemester hat längst angefangen, und Barbara wohnt immer noch in der Jugendherberge. Sie hat Anzeigen aufgegeben, einen Makler beauftragt, sie hat überall herumgefragt, sie ist überall hingelaufen.

Die Lust zur Repräsentation

Mannheim will ein neues Rathaus bauen. Offenbar glaubt man an der Rhein-Neckar-Metropole, mit mehr als 300 000 Einwohnern nicht hinter der Wirtschaftswunderstadt Marl oder der Ruhrmetropole Essen, hinter dem Textilzentrum Reutlingen oder hinter der nordrhein-westfälischen Kapitalstadt Düsseldorf zurückstehen zu können.

Bundesanwaltschaft ohne Polizeigewalt

Im alten Jahr noch hat der Bundesrat eine Attacke auf den Föderalismus mit Erfolg abgewehrt: Die polizeiliche Exekutive bleibt weiterhin ausschließlich Aufgabe der Länder.

Von ZEIT zu ZEIT

821 000 Westberliner hoben zwischen dem 19. Dezember des allen und dem 3. Januar des neuen Jahres ihre Verwandten in Ostberlin besucht Die Vorbehalte der Vereinigten Staaten zu neuen Initiativen in der Deutschlandfrage wurden in Bonn mit Verwunderung registriert.

Wilsons große Pläne

Die Labour-Regierung hat sich für dieses Jahr viel vorgenommen. Wilson will in Gesprächen mit Erhard, de Gaulle und Moro für seinen Plan einer atlantischen Abschreckungsmacht (AFN/MLF) gut Wetter machen, Außenminister Patrick Gordon Walker in Osteuropa das politische Klima entspannen.

Namen der Woche

Nikolai Podgorny, Mitglied der sowjetischen Führungsspitze, reiste mit einer Delegation des Obersten Sowjets in die Türkei. Diesen ersten offiziellen sowjetischen Besuch seit drei Jahrzehnten bezeichnete er als Beginn besserer sowjetisch-türkischer Beziehungen.

Pakistan pro Ayub

Der Präsident der 110 Millionen Pakistanis heißt auch für die nächsten fünf Jahre Ayub Khan. Der 61jährige Marschall hat mit zwei Dritteln der Wahlmännerstimmen über seine couragierte 71jährige Gegenkandidatin Fatima Jinnah gesiegt.

Blutige Lektion in Binh Ghia

Die Amerikaner und ihre südvietnamesischen Schützlinge mußten ihre bisher schwerste Niederlage in dem seit vier Jahren tobenden Bürgerkrieg einstecken.

Sukarno – ein Präzedenzfall für die UN

„Anarchie in China!“ schrie der japanische Delegationschef Matsouka, ehe seine Delegation am 25. Februar 1933 aus dem Genfer Völkerbundpalast auszog, weil der Völkerbund die Annexion der chinesischen Mandschurei durch Japan mißbilligt hatte.

David, Goliath und der britische Löwe

Nach dem Auszug der Indonesier aus der UN-Vollversammlung ist die Lage in Südostasien noch brenzliger geworden. Malaysia hat mit einem Vergeltungsschlag gedroht, falls Sukarno seine Drohung wahrmachen und den regulären Krieg gegen seinen Nachbarn eröffnen sollte.

Deutsches Fragezeichen

Zu Neujahr blies ein kühler Wind über den Atlantik. Korrespondentenberichte aus Washington verursachten in Bonner Amtsstuben einige Aufregung.

T. S. Eliot

Mit T. S. Eliot verließ am Montag einer der Großen die Welt der lebenden Literatur. Und dennoch wird sein Abgang nur den ihm Nahestehenden recht spürbar werden: Längst hatte sich das Werk von der Person gelöst – einer Person, die im übrigen das Rampenlicht der Öffentlichkeit immer gescheut hat.

Wo bleiben die Autoren?

Der Bühnenautor erhält laut Vertrag zehn v. H. der Bruttoeinnahmen jeder Vorstellung. Findet eine Aufführung nicht ausreichenden Zuspruch und bleiben viele Karten unverkauft, so trägt der Autor den Schaden mit.

Zeitmosaik

Wer selbst auf dem Punkte der Existenz steht, um welchen der Dichter sich spielend dreht, dem können die Gaukeleien der Poesie, welche aus dem Gebiet der Wahrheit ins Gebiet der Lüge schwankt, weder genugtun, weil er es besser weiß, noch können sie ihn ergötzen, weil er zu nah steht und vor seinem Auge kein Ganzes wird.

Kleiner Kunstkalender

über 70 Gemälde und über 80 Aquarelle und Zeichnungen, darunter viele Arbeiten aus Beckmanns letzten Jahren in Amerika. Die Ausstellung wurde vom New Yorker „Museum of Modern Art“ zusammengestellt.

Pop und Dada

Bissige Leute sagen, das beste an Pop sei der Name. Als Werbemarke für einen Kunststil ist die schon vom Klang her provozierende Buchstabendreiheit in der Tat konkurrenzlos – wenn mit seinen vier Buchstaben Dada nicht wäre.

Zu empfehlen

Adelbert von Chamisso: „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“, mit neun Holzstichen von Imre Reiner; Neunter Ars librorum Druck, Verlag Ars librorum Gotthard de Beauclair, Frankfurt/Bern; 85 S.

Klassikerausgaben – kritisch betrachtet (6): Fontane wurde nicht im Stich gelassen

Mit seiner Familie begann’s, die seine Briefe zensierte; mit den Berliner Professoren ging’s fort, die ihn ganz und gar als Lokalpatrioten rühmten (ein märkischer Peter Rosegger; der hätte ihnen gepaßt); wie eh und je schleppt sich das durch die Kommentare fort, als ob er nicht einer gewesen wäre, den nur ein einziger Schritt, eine einzige Grenze seines Talentes davon trennte, der Deutschen Turgenjew oder Henry James zu sein.

Mit Lust Soldat?

Zwanzig Kniebeugen, begleitet vom stereotypen „Ich bin mit Lust und Liebe Soldat!“ sind kein Bekenntnis zum Wehrdienst. Der Präsentiergriff eines Veteranen mit dem Spazierstock ist schon eher eins.

Guter Rat ist pseudonym

Wenn ein Bundesrichter der öffentlichen Meinung unter einem Pseudonym den Spiegel vorhält, muß er in den Ruhestand treten. Wir finden, das ist recht und billig.

Fremde Staatsmänner

Nach Ansicht der meisten Europäer ist Europa nach wie vor das politische Zentrum der Erde, bestimmt das Schicksal Europas nach wie vor das politische Schicksal der Welt, ist der Eiserne Vorhang zwischen Lübeck und Triest, der Europa in zwei Teile teilt, nach wie vor der Welt gefährlichster Krisenherd.

Isolierung der Bundeswehr?

ehemaligen Wehrbeauftragten des Bundestages erhebliches Aufsehen erregte, verdient dieses Buch besondere Beachtung. Karst untersucht mit breiter praktischer Erfahrung – er war jahrelang als Oberst Referent für Innere Führung im Führungsstab der Bundeswehr und kommandiert derzeit eine Brigade – den geistesgeschichtlichen, staatsbürgerlichen, soldatischen und soziologischen Hintergrund der Bundeswehr in unserer Zeit.

Verzeihung, sind Sie gebildet?

Der wahre Mensch (mit Abitur) und das Latein – Wenigstens eine Strophe Horaz – Deutsches Lieblingsthema: Bildung

Homme cultive

„Sokrates gälte heute sicherlich als ungebildet, es sei denn, er dürfte sich Professor Doktor Sokrates nennen“ – mit dieser Anmerkung hatte der englische Professor Joseph Lauwerys gleich eine Frage versehen, die vor ein paar Jahren in Hamburg zum Gegenstand eines öffentlichen Gesprächs gemacht worden war.

Fernsehen: Für viele kein Brot, Spiele für alle

Das Jahr klang aus, und Thilo Koch zog die Bilanz. Filme wurden gesichtet, man schnitt und verwarf; Zelluloid-Kilometer schrumpften zusammen, lange Sequenzen gerannen zu einem einzigen Bild; an die Stelle der Berichte trat das Resumé.

Immer mehr Fabriken

In Europa werden heute etwa so viele Autos gebaut wie in Amerika, wo die Automobilproduktion im letzten Jahr knapp unter der 8-Millionen-Grenze blieb.

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