Die Kritik, mit der man der menschlichen Regung nach Wohlstand begegnet, ist eigenartig. Insonderheit dann, wenn allgemein nachgerechnet wird, was zum freudigsten Fest des Jahres ausgegeben worden ist. Es wird schlimm, weil diese Zahlen mit den Auskünften von zufällig befragten Geschäftsleuten und mit den sporadischen Beobachtungen wogender Mengen auf den Großstadtstraßen kombiniert werden. Eine sehr merkwürdige Kritik. Wen wundert’s da, daß wir allesamt als raffgierig bezeichnet werden, wir, „die Verbraucher“? Der Bundespräsident schimpfte auf unsere furchtbare „Begehrlichkeit“, und Kardinal Döpfner nannte das Weihnachtsgeschäft eine „grauenvolle Pervertierung der schenkenden Liebe unseres menschgewordenen Gottes“. Der Bundeskanzler hinwiederum versicherte hoch und heilig, er werde sich bemühen, unseren Wohlstand weiter zu mehren.

Diese Widersprüchlichkeit ist so merkwürdig wie die Leichtfertigkeit stereotypen Urteilens. Ist das eine politisch zu erklären, so das andere allein mit Unkenntnis.

Die Feste am Jahresende sind für die meisten das Hauptereignis des Jahres. Von jeher spart der brave Bürger, um sich dann endlich leisten zu können, was ihm sonst verwehrt ist. So reich,-wie es die Kritiker behaupten, sind wir gar nicht. Es stimmt auch nicht, daß sinnlos Geld ausgegeben worden sei. Wer schon Anfang Dezember zu kaufen anfängt, kauft nicht sinnlos, sondern wählt sehr genau aus, er verhält sich also genauso, wie die gleichen Kritiker es früher von ihm verlangt haben. Fast alle Geschäfte bestätigen es.

Es stimmt auch nicht, daß nur das Teure, nur das Beste, das Größte gekauft worden ist. Gerade diesmal fiel auf, daß (bei Schmuck) „mittlere Qualitäten“, (für die Küche) „kleine Haushaltsmaschinen“ und „nicht zu anspruchsvolle Delikatessen“ gekauft wurden, daß mehr als sonst Bücher, und da zuweilen besonders aus dem „modernen Antiquariat“ (also zu ermäßigten Preisen) erworben wurden. Und wenn die Rede auch von „aufwendigen Geschenkpackungen“ ist, dann kann man das auch so deuten: Man schenkt weniger, um Nützliches oder „Praktisches“ zu geben, als vielmehr um Freude zu machen. Und ist die Zeit schlecht, in der es sich die Bürger leisten können, sich zu schmücken – Umsatzerhöhung 20 Prozent – mit Gold („kaum als Kapitalanlage erworben“) oder Zuchtperlen („mittlerer Qualität“) oder Halsschmuck („mittlere Preislagen“)? m. s.