„Anarchie in China!“ schrie der japanische Delegationschef Matsouka, ehe seine Delegation am 25. Februar 1933 aus dem Genfer Völkerbundpalast auszog, weil der Völkerbund die Annexion der chinesischen Mandschurei durch Japan mißbilligt hatte. Einen Monat später erklärte Tokio endgültig seinen Austritt. Es war der Anfang vom Ende der ersten Weltfriedensorganisation.

„Nieder mit Malaysia!“ schrie Achmed Sukarno, ehe sein UN-Delegierter Palar zu. Beginn dieses Jahres mit der indonesischen Delegation die UN-Vollversammlung in New York verließ, weil das für Sukarno nicht existente Malaysia Mitglied des Weltsicherheitsrats geworden war. Ebenso wie seinerzeit in Genf, blieben die anderen Delegierten zunächst noch im Zweifel, ob der Austritt endgültig sei oder nicht. Ist dieser Präzedenzfall wieder der Anfang vom Ende?

Die Kündigung Indonesiens – immerhin die fünftgrößte Nation der Welt – traf die UN mitten in der schwersten Krise seit ihrer Gründung vor 19 Jahren. Wegen des ungelösten amerikanisch-sowjetischen Finanzstreits kann die UN-Vollversammlung über keine weltpolitische Frage abstimmen.

Die neuen Mitglieder des Sicherheitsrates, unter ihnen Malaysia, konnten, nur gewählt. werden, weil UN-Präsident Quaison-Sackey ein neues Verfahren ersann, das er euphemistisch „Konsultationen“ nannte: Die Stimmzettel wurden nicht mehr im Forum, sondern in seinem Büro abgegeben.

Seine Ruhe verlor der Ghanese auch nicht nach Sukarnos unerwartetem Entschluß. Zusammen mit dem UN-Generalsekretär, dem Birmesen U Thant, appellierte er im Namen der afro-asiatischen Solidarität an Sukarno, seine Entscheidung zu widerrufen. Vorerst dürfte Sukarno keine Nachahmer finden.

Schon bei der Kairoer Blockfreien-Konferenz im letzten Herbst blieb er mit seiner Idee allein, als Ersatz für die UN eine neue Organisation der „neuen aufstrebenden Kräfte“ in der Welt zu gründen. Auf die UN ist er schlecht zu sprechen, seit eine UN-Kommission 1963 festgestellt hatte, daß die Einwohner Nordborneos lieber zu Malaysia als zu Indonesien gehören wollten.

Paradoxerweise waren es die UN, die Sukarno aus dem holländischen Gefängnis befreiten und 1948 die Holländer zwangen, ihren ostindischen Kolonien die Unabhängigkeit zu geben. 1950 trat das neue Indonesien als 60. Staat in die UN ein. Braucht Sukarno die UN jetzt nicht mehr? Oder ließ er sich nur von einem Wutanfall hinreißen?