Mit T. S. Eliot verließ am Montag einer der Großen die Welt der lebenden Literatur. Und dennoch wird sein Abgang nur den ihm Nahestehenden recht spürbar werden: Längst hatte sich das Werk von der Person gelöst – einer Person, die im übrigen das Rampenlicht der Öffentlichkeit immer gescheut hat. Thomas Stearns Eliot wurde am 26. September 1888 in St. Louis (Missouri) geboren. Er studierte zunächst an der Universität Harvard Philosophie und klassische Philologie, fuhr um die Zeit des Ersten Weltkrieges studienhalber nach Europa – und kehrte nicht nach Amerika zurück, sondern blieb in England, wurde 1927 auch britischer Staatsbürger. Um diese Zeit beginnen die öffentlichen Ehrungen des – als Herausgeber der literarischen Zeitschrift ‚Criterion‘ in Fachkreisen seit langem hoch geschätzten – Dichters und Essayisten; sie erreichen einen Höhepunkt mit der Verleihung des Nobelpreises 1948. – Die Interpreten seines Werkes tun sich schwer mit diesem Amerikaner, der englischer wurde als die Engländer; mit diesem dunklen poeta doctus, der so scheinbar leicht zu durchschauende, oft geradezu trivial anmutende Bühnenstücke wie den „Privatsekretär“ schrieb; mit diesem linksintellektuellen Erzkonservativen; dessen „Waste Land“ (1922) als Markstein und Wegweiser der modernen Lyrik gelten darf und der sich dann durch ein so „unmodernes“ Stück wie „Mord im Dom“ einen Namen als Dramatiker machte; mit diesem Propheten einer zynischen, oft schnodderigen Nüchternheit („this is the way the world ends, not with a bang, but a whimper“), der sich am Ende in der Politik zur Monarchie, in der Kunst zum Klassizismus und in jedem Bezug zu einem Christentum anglokatholischer Prägung bekannte. jetzt aber genügt es nicht mehr, den jungen Eliot gegen den alten auszuspielen (oder umgekehrt); jetzt ist die Zeit gekommen, da es gilt, dieses erstaunliche Werk mit all seinen Widersprüchen als ein Ganzes zu begreifen. R. W. L.