FÜR Leser, denen es – entgegen Goethes rhetorischer Frage („wer wird ein Buch des Druckes wegen in die Hand nehmen?“) – nicht gleichgültig ist, wie ein Buch gesetzt, gedruckt, gebunden ist –

Adelbert von Chamisso: „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“, mit neun Holzstichen von Imre Reiner; Neunter Ars librorum Druck, Verlag Ars librorum Gotthard de Beauclair, Frankfurt/Bern; 85 S., 215 numerierte und signierte Exemplare in bedrucktem Leinen, 88,– DM.

ES ENTHÄLT Chamissos vieldeutiges Märchen von dem Mann, der dem Teufel seinen Schatten – und damit sein Glück unter den Menschen – für einen unerschöpflichen Goldbeutel verkauft, diese fiebrige romantische Erzählung, die vor hundertfünfzig Jahren ein Welterfolg wurde und ein ganzes Geschlecht literarischer Schlemihle begründete: gedruckt auf federleichtes, weiches Japanpapier, in einer schönen, keineswegs extravaganten Antiqua (Bodoni) von Hand gesetzt, mit jener luxuriösen Bescheidenheit ausgestattet, die alle Bücher Gotthard de Beauclairs kennzeichnet.

ES GEFÄLLT als ein kostbarer bibliophiler Druck, bei dem zwischen Gegenstand und Präsentation kein Mißverhältnis besteht. Wer sich fragt, ob das Äußere eines Buches derartigen Aufwand, derartige Aufmerksamkeit überhaupt beanspruchen dürfe, möge bedenken, daß ohne die Exempel, die von Buchbesessenen wie Gotthard de Beauclair statuiert werden, ohne ihre Arbeit, die zu keinerlei Konzessionen gezwungen ist, die Buchkunst wahrscheinlich bald wieder ebenso verlottern würde, wie sie im letzten Jahrhundert, ehe die Pressendrucke ihr neuen Ehrgeiz einpflanzten, schon einmal verlottert war. D. E. Z.