Ein Spiel, vor dem nachdrücklich gewarnt werden muß. Es sprengt Partys. Es zieht wildfremde Leute ins Haus. Und kostet viel Schlaf.

Das Spiel ist kein Geniestreich eines professionellen Spielerfinders. Es ist eher solide Handwerksarbeit. Es ist nicht geistvoll, eher intellektfeindlich. Es ist ein Tischfußballspiel.

Mieg’s FC Rapid, Preis 49,50 Mark. Ein Spielfeld, etwa 50 cm lang und 30 cm breit. Zwölf Spieler, die sich an Metallstäben vor-, zurückbewegen und drehen lassen. Ein kleiner weißer Ball und zwei Tore. Jede Mannschaft hat einen Torwart, der sich nur im Schußkreis bewegt. Zwei Verteidiger, die in der eigenen Spielhälfte operieren, und drei Stürmer jenseits der Mittellinie. Der Sinn des Spiels ist der gleiche wie beim Fußball auf dem Rasen: den Ball in das gegnerische Tor zu bringen. Die Spieler schießen, indem sie sich drehen. Sie können dribbeln, flanken, täuschen, den Ball aus kürzester Entfernung ins Netz drücken, den Torwart mit Fernschüssen überlisten – mit hohen und flachen.

Und auch sonst geht alles ganz ähnlich wie in den großen Stadien am Samstagnachmittag vor sich. Nur, daß man in den Fingerspitzen haben muß, was Bundesligaprofis in den Beinen haben.

Die wichtigste Figur? Ohne einen präzise arbeitenden Mittelstürmer ist kein Spiel gegen einen Könner zu gewinnen. Er muß die meisten Tore schießen. Hat er den Ball am Fuß, dann muß der krönende Torschuß Routinesache sein. Und pfeilschnell muß er sein. Wie ein Uwe Seeler soll er in überraschende Flankenbälle hineinspritzen und das „Leder“ am Torwart vorbeispitzeln. Daß der gefährliche Mittelstürmer nicht allzu oft in den Besitz des Balles kommt, verhindern die beiden Verteidiger, die zwischen ihm und den Außenstürmern operieren. Ohne aufmerksame, sichere und schnelle Verteidiger kein gutes Tischfußball-Team.

Aber gute Verteidiger und Mittelstürmer sind für Routiniers Selbstverständlichkeit. Größe Spiele werden vom Torwart und den Außenstürmern entschieden. Anfänger, Alkoholiker und Leute mit langsamem Reaktionsvermögen werden den Torwart kaum einsetzen. Der Könner hält ihn immer im Schußwinkel, liefert mit ihm dem Stürmer packende Zweikämpfe, pariert noch Fünf-Zentimeter-Schüsse und stiehlt so dem Gegner wieder und wieder den Torschrei von den Lippen. Die Außen sollen die Verteidiger überlisten, die ihnen nicht von den Fersen weichen. Ihre Hauptaufgabe ist es, dem Mittelstürmer den Ball zuzuspielen. Doch sie können an der Hand eines Meisters wahre Kabinettstücke vollbringen: Etwa eine Flanke vortäuschen, blitzschnell am genarrten Verteidiger vorbeiziehen und aus spitzestem Winkel den Ball im oberen langen Eck des Tores plazieren.

Es ist ein Spiel, das höchste Konzentration, schnelle Reaktion und ein sicheres Auge verlangt. Alkohol ist Gift für den Tischfußballspieler. Ein Whisky mag noch die Kampfesfreude steigern. Doch schon der zweite macht ihn einem gleichwertigen, nüchternen Gegner unterlegen. Ein anregendes Spiel, doch sei nicht verschwiegen, daß es Menschen gibt, die es ganz einfach stupid und albern finden. Ein Kreis von Gleichgesinnten, der zur regelmäßigen Ausübung des Tischsports notwendig ist, will sorgfältig ausgewählt sein. Tischfußball ist wohl vor allem Männersache. Partner gewinnt man am leichtesten, indem man das Spiel verschenkt.