Von Werner Höfer

J. H. Mattner, der sich mit Geschick und Geduld so etwas wie ein Monopol auf dem Gebiet des künstlerischen Ost-West-Handels schuf, hatte nach dem Krieg zuerst mit den Amerikanern zu tun, bevor er an die Russen geriet. Durch den Vater zwar mit Film- und Schaugeschäft vertraut, organisierte der demobilisierte Soldat aus dem Ruhrrevier in Heidelberg so etwas wie deutschamerikanische Truppenbetreuung. Die ersten Combos und Big Bands von überregionalem Ruf hat er zusammengetrommelt; die ersten Erfahrungen mit dem erlebnishungrigen deutschen Publikum hat er damals gesammelt; die ersten Kapitalreserven aus guten Dollars hat er in jenen Tagen angelegt.

In den Jahren danach versuchte er sich in allen Formen des Schaugeschäfts, vom Film bis zum Boxen. So ging es auf, so ging es ab, und es ging ihm schon recht gut, als er die ersten großen Shows aus den USA importierte: Holiday on Ice und die Harlem Globetrotters. Eine amerikanische Anregung, die schwarzen Ballkünstler auch in die Sowjetunion zu bringen, machte ihm Mut zur ersten Kontaktaufnahme mit den Sowjets.

„Als ich mich damals, vor der ersten Besprechung mit dem Kulturattaché, von meinen Freunden verabschiedete, blickten sie mir nach, als fürchteten sie, mich nie mehr wiederzusehen, weil ich doch wohl in Sibirien landen würde.“

Mattner landete soeben in Sibirien. Er war in Peking, um ein Gastspiel des Chinesischen Zirkus für die Bundesrepublik perfekt zu machen. Auf dem Rückflug hatte er einen Zwischenaufenthalt in der sibirischen Stadt Omsk:

„Da entsann ich mich, daß der Omsker Chor die erste Truppe war, die ich, im Austausch gegen die Kapelle Max Greger – das war wiederum die erste westliche Jazz-Band, die ich in die Sowjetunion brachte – in die Bundesrepublik holen konnte. Die Sänger von Omsk waren so nette Leute, daß ich mich freute, sie jetzt wiederzusehen.“

„Und die Chinesen?“