Boating ist Party-Deutsch. Yachting ist Englisch. Das ist der feine Unterschied. Ein deutsches Boating gibt’s neben der Dancing-Party, dem Swimming-pool, der Lobby und dem Living-Room. Das, was die Engländer „Yachting“ nennen, heißt hierzulande „Segelei“.

Das deutsche Boating marschiert, man weiß nur nicht wohin. Es kann auch sein, daß es auf der Stelle tritt: Das könnte die Bootsausstellung erweisen. Man wird sehen.

Boating ist am schönsten, wenn man dazu eingeladen wird. Zu einer Boat-Party. Dann kann das Party-Boat sein, wie es will: Man findet es anständigerweise schön. Oder doch eines der schönsten. Das tröstet den Boats-Eigner („owner“ sagt man nicht, das könnte nicht verstanden werden, und dann weiß keiner, wem’s gehört und wer da so wohlbetucht beziehungsweise so wohlbeboatet ist) – also: Das tröstet den Eigner, der sein Boat schon längst nicht mehr schön findet und der schon seit Monaten eine andere Fliege im Auge hat. Noch schöner, noch größer, noch teurer. Wenn das so weitergeht, wird er beim Bäderdampfer landen, dann können die Boat-Partys unermeßliche Dimensionen annehmen. Was eigentlich eine Boat-Party ist, weiß ich nicht. Ich habe noch keine mitgemacht, stelle mir aber vor, daß es mehrere gibt: Die Drinking-Party (solenne Sauferei), die Dancing-Party (Lämmerhüpfen mit Anfassen, armes Boat!), die Petting-Party (kein Kommentar) und die Sleeping-Party (noch weniger Kommentar). Außerdem natürlich die Family-Party (Sonntagnachmittagsbootsausflug mit Kaffee und Kuchen).

Doch zurück zum Boating. Seit „ein deutsches Nachrichtenmagazin“ und „eine große, in Hamburg erscheinende Illustrierte“ sich der Sache angenommen und Licht in das Dunkel gebracht haben, weiß man, was das ist: Vom im Kofferraum des Autos verpackten Schlauchboot über dach- und anhängertransportierte Sport- und Kajütboote bis zur luxuriösen Motorjacht mit kristallverspiegelten Kabinen und Schwimmingpool ist alles zu haben. Nur keine Liegeplätze. Wie auf dem Land so auf dem Wasser: Autos über Autos und keine Parkplätze und nun auch Boote über Boote und keine... Hat man doch einen erwischt, dann beginnt das eigentliche Boating. Am Rhein kann man ab und zu noch einen Platz erwischen: Kostet rund 12 Mark pro laufenden Meter Boat und Monat. Oder am Mittelmeer, dann zieht man am besten ganz corthin oder kauft sich ein Flugzeug, um nicht die halbe Zeit auf irgendwelchen Verkehrsmitteln zu verbringen. Viel billiger als auf dem Rhein ist das auch nicht. Bleibt noch die Ostsee, wo die Häfen überfüllt sind. Kürzlich ist der durchaus begrüßenswerte Plan, in der Nähe von Travemünde eine „Marina“ zu errichten, an den in die Hunderttausende gehenden Forderungen der Fischerei gescheitert. Denn ausgerechnet dort, wo die „Marina“ – ein Yachthafen nach amerikanischem Vorbild – errichtet werden sollte, sollen die Fischgründe ungemein ergiebig sein. Jetzt. Früher waren sie ziemlich mies.

Nun, das ist nicht die Sache einer Bootsausstellung: Dort soll und muß verkauft werden. Mit psychologischer Käuferansprache, die manchmal in den Bach fällt: Als besagte Illustrierte das Großbild eines Motorbootes brachte, auf dem zahlreiche hübsche Damen ihr textilarmes Exterieur zeigten, ging der Verkauf dieses Familienkreuzers schlagartig zurück, denn sogleich klang aus Gattinnen-Kreisen der Boykottruf: „Aha! So ist das also!“ Seitdem bestückt man solche Boote mit Vertrauen erweckenden edlen Jünglingen; das ist schon eher etwas, woran eine Ehefrau Freude haben kann.

Die Boote sind jedes Jahr neu, bessere hat es noch nie gegeben, indem die Farbe des Kajütdaches von mittelblau auf hellblau umgestellt wurde. Der Traum von Mahagoni und von Chrom ist auch noch immer nicht ausgeträumt, und die Zahl der PS steigt von Jahr zu Jahr. Das nennt man Fortschritt. Fortschritt in der sicheren Kiste. Und das große Geschäft wird jeweils dort gewittert, wo ein anderer es bereits macht. Es gibt ein lustiges kleines Segelboot, in Skandinavien entworfen, das wegen seiner vielseitigen Verwendbarkeit und wegen seines ehemals niedrigen Preises „Folkeboot“ (Volksboot) genannt wurde. Heute wird es von wer weiß wieviel Werften gebaut. Es kostet einheitlich um 25 000 Mark. Volksboot? Das ist ein Beispiel für viele, und dafür, was man bei unserm Bootsbau als „Fortschritt“ bezeichnet.

Ich will nun gewiß nicht einem Fortschritt um des Fortschrittes willen das Wort reden. Und ich will auch nicht von der bundesbootsbauerverbandlichen deutschen Bootsbau-Situation sprechen, die höchstens ein Situatiönchen ist. Aber im Vorbeigehen läßt sich doch beobachten, daß es einen gewissen Fortschritt doch wohl geben müßte, aber der liegt dann nicht im Weiterwursteln mit fasziniertem Kaninchenblick auf die 7-Meter-Schlange, sondern der muß unorthodoxe Wege suchen und finden mit dem Ziel, endlich einmal wirklich „viel Boot fürs Geld“ zu bieten und nicht „viel Geld fürs Boot“ zu verlangen.