Von Karl W. Boetticher

Vom Erdgas bis zur Stahlindustrie und vom Luftverkehr bis zum Radio und Fernsehen reicht das wirtschaftliche Mannfeld des Istituto per la Riconstruzione Industriale“. Der Staat ist in Italien Unternehmer in beträchtlichem Umfang und auf sehr wichtigen Gebieten. Die Manager des IRI sind in der Welt der privaten italienischen Unternehmer keine Erscheinung am Rande. Sie sind als neue Figuren im politischen und wirtschaftlichen Spiel von Belang und von Gewicht. Die Vermutung liegt nahe, sie könnten als die Kontrolleure des staatlichen industriellen Reichtums die Institution, die sie handhaben, als ein wirtschaftliches Experiment mit sozialistischem Vorzeichen ansehen.

Dottore Balboni, einer der Direktoren in der IRI-Zentrale in Rom, dem ich die Frage vorlege, zögert eine Weile mit seiner Antwort. Seine persönliche Meinung wäre das jedenfalls nicht, sagte er. Hinter der IRI stünde keine ideologische Absicht; sie sei pragmatisch entstanden und müßte aus der historischen Entwicklung verstanden werden. „Wir haben hier auch nicht etwa irgendeine Theorie, nach welcher das Gewinnmotiv verurteilt würde. Ja, wir geben uns jede Mühe, rentable Unternehmungen zu entwickeln. Wir haben Erfolg dabei, wenn auch nicht in jedem Falle. Aber nicht in jedem Falle müssen Gewinne erzielt werden, weil es noch andere, wichtige Gründe für wirtschaftliche Initiativen gibt und immer geben wird.“

„Ist es nicht eine fatale Situation für jeden, der in der Wirtschaft Verantwortungen trägt, keine Gewinne vorweisen zu können“, frage ich weiter.

„Individuelle Gewinninteressen von privaten Unternehmern verfolgen die Manager des IRI natürlich nicht“, antwortet Dottore Balboni, „doch sie vorweisen zu können, ist immer ein Zeichen von Tüchtigkeit und also dem Ansehen innerhalb unserer Organisation förderlich.“

Ich frage nach den Einkünften der staatlichen Wirtschaftsmanager im Verhältnis zur Privatindustrie. Dottore Balboni meint, sie seien unzweifelhaft geringer. Aber die Möglichkeit, Einfluß zu nehmen, den Fortschritt anzutreiben, sich für das Ganze verantwortlich zu fühlen und Macht zu haben, das sei schließlich ein Äquivalent, ganz davon zu schweigen, daß es seine Annehmlichkeiten hat, nicht einem individuellen Unternehmer zu unterstehen, der nur auf den Fortgang der für ihn persönlich interessanten Geschäfte sehe.

„Aber gerade das verdächtigt die Manager des IRI“, werfe ich ein. „Man hat mir gesagt, daß nicht wenige von ihnen die Mitte-Links-Politik des linken Flügels der Democrazia Christiana ideell und materiell favorisieren. Außerdem argwöhnt man, daß überhaupt politische Momente bei der Berufung der Manager für die IRI-Unternehmungen eine bedeutende Rolle spielen.“