Von Robert Lucas

In Coventry erschien ein Inserat in der Zeitung: „Schönes Wohnhaus zu verkaufen. Nur an farbige Familie...“

Praktischer Idealismus eines frommen Eiferers, der in allen Menschen, gleichgültig welcher Hautfarbe sie sind, die Kreaturen Gottes sieht? Ein Ausdruck der Reue über die Versäumnisse und Verfehlungen des vergangenen Empire gegenüber den Kolonialvölkern? Ein rührender Beitrag zur Integration? Eine Kampfansage an alle Rassenvorurteile?

Nein, weit gefehlt. Leider weit gefehlt.

Frau Lilian Ashton, die ihr Haus „in einem guten Residenzviertel von Coventry“ auf diese Weise annoncierte, erklärte die ungewöhnliche Verkaufsbedingung folgendermaßen: „Unsere Nachbarn haben die Unverschämtheit gehabt, meinen Mann bei der Polizei anzuzeigen, weil er altes Zeug im Garten verbrannte. Ich werde es ihnen schon heimzahlen, diesen feinen Nachbarn! Ich setze ihnen Farbige in die Straße, je schwarzer desto besser!“

Die Nachbarn dürften auf ihr mit teuflischer Bosheit ausgedachtes Inserat mit entsetzten Protestschreiben reagiert haben. Sie können sich unschwer ausmalen, was geschehen würde, wenn das Haus der rachelüsternen Frau Ashton zu einem Brückenkopf der dunklen Invasion werden sollte. Es ist alles schon hunderte Male dagewesen. Der interessanteste Fall ist vielleicht Southall.

Southall ist ein westlicher Vorort Londons mit langweiligen, aber „schmücken“ Einfamilienhäusern und liebevoll gepflegten Gärten, über die dröhnend die Boeings und Viscounts fliegen. Der Londoner Flughafen liegt in unmittelbarer Nähe. Die Bevölkerung setzt sich hauptsächlich aus kleinen Geschäftsleuten, Beamten und aus Arbeiterfamilien zusammen, die elektrische Waschmaschinen, Kühlschränke und kleine Autos besitzen und sich daher zum Mittelstand zählen. Es gibt auch eine Leichtindustrie in Southall. Zum Beispiel eine Gummiwarenfabrik.