Die Goldspekulation, die Krisen um Dollar und Pfund mögen vorübergehen, die Notwendigkeit von Reformen wird bleiben

Spätestens bei der Weltbanktagung in Tokio war zu erkennen, was nun die Krisen um das Pfund und den Dollar ganz deutlich gemacht haben: die internationale Währungsordnung ist in Unordnung geraten. Das 1944 in Bretten Woods kunstvoll errichtete Gebäude ist zwar keineswegs in Gefahr einzustürzen, aber es knistert doch an vielen Ecken.

Wenn bereits die Ankündigung der Bank von Frankreich, sie wolle einige hundert Millionen Dollar in Gold tauschen, zu einem Druck auf die Leitwährung der westlichen Welt und zu einer neuen Goldspekulation führt, so ist das zweifellos ein Beweis dafür, daß die Zeit für Reformen gekommen ist. Für Reformen des Bestehenden, nicht für einen radikalen Kurswechsel. Um im Bild zu bleiben: Wir sollten wegen einiger Mängel nicht gleich das ganze Gebäude für abbruchreif erklären, sondern uns erst einmal daran machen, es zu verbessern und zu renovieren.

Die gegenwärtige Währungssituation der westlichen Welt ist durch ein Paradoxon gekennzeichnet, das man etwa so beschreiben kann: die starken Währungen sind krank, manche schwache Währung dagegen kerngesund. Konkret gesprochen: der Dollar, wegen der überragenden politischen Stellung Amerikas zur Leitwährung erkoren, leidet seit Jahren unter der hochpassiven Zahlungsbilanz der USA. Nur durch eine Änderung der gesetzlichen Bestimmungen (eine Verminderung der Golddeckung) wird Washington sicherstellen können, daß auch künftig Dollars jederzeit in Gold getauscht werden können. Über das Pfund, die zweite Leitwährung, braucht man kein Wort zu verlieren – es wird gegenwärtig nur durch Milliardenkredite anderer Notenbanken gestützt.

Die gesunden Währungen vermögen jedoch die kränkelnden Leitwährungen nicht zu ersetzen. D-Mark, Franc, Schweizer Franken oder auch holländische Gulden können sich zwar auf ausreichende Devisenreserven und eine günstige Zahlungsbilanz stützen, ihre internationale Bedeutung jedoch ist immer noch recht bescheiden. Den Versuch de Gaulles, das Prestige seiner Währung dadurch aufzuwerten, das Frankreichs Währungsreserven künftig in Franc statt in Dollar ausgewiesen werden, kann man nur belächeln – die Realitäten werden dadurch nicht verändert.

Was jedoch Franc oder Mark für sich allein nicht schaffen können, das vermöchte eine europäische Währung durchaus zu erreichen – ein dem Dollar ebenbürtiges Zahlungsmittel zu werden. Walter Hallstein hat sich dieser Tage klar für eine EWG-Währungsunion ausgesprochen, weil eine „europäische Reservewährung Anfälligkeiten des gegenwärtigen Weltwährungssystems“ mildern könnte.

In der Tat wird auch auf dem Gebiet der Währungspolitik immer deutlicher, daß nur durch eine Zusammenfassung der Kräfte der europäischen Einzelstaaten höhere Stabilität zu erreichen ist. Der Weg zurück zu egoistischnationalen Entscheidungen (wie etwa der Veränderung der Wechselkurse) wäre verhängnisvoll. Die Lehren der dreißiger Jahre, als jedes Land seine Probleme auf Kosten der anderen Staaten zu lösen versuchte und doch nur immer tiefer in die Weltwirtschaftskrise hineinschlitterte, sollten noch im Gedächtnis sein.