Für die nächste Woche hat Charles de Gaulle den deutschen Bundeskanzler für einen ganzen Tag zu vertraulichen Kamingesprächen auf Jagdschloß Rambouillet bei Paris eingeladen. Ludwig Erhard hofft optimistisch, er könne dabei die deutsch-französischen Differenzen aus dem Wege räumen. Außenminister Gerhard Schröder, der sich durch seine betont amerika-freundliche Politik bei den Franzosen unbeliebt gemacht hat, darf bei den meisten Gesprächen der beiden Staatsmänner nicht zugegen sein.

Die Ausschaltung des Ministers war nicht die einzige freundliche Geste, mit der Erhard die Annäherung aus Paris einleitete: Er legte seinen Reisetermin bewußt vor den Besuch des britischen Premierministers Wilson in Bonn. De Gaulle kann in Ruhe seine Entschlüsse reifen lassen, ehe er Anfang Februar seine Pressekonferenz zelebriert.

Die Ausgangslage für das Gespräch mit Erhard ist günstiger als vor einem halben Jahr, da Bonn inzwischen den europäischen Getreidepreis akzeptiert und die MLF-Pläne auf Eis gelegt hat. Erhard, will dem französischen Präsidenten nochmals neue Initiativen in der europäischen Frage vorschlagen. Er wird aber klarer als bisher sagen müssen, wie er sich die politische Union Europas, die künftigen deutschen Ostgrenzen, den Prozeß der Wiedervereinigung und der Ost-West-Entspannung und die atlantische Partnerschaft vorstellt.

Der folgende Vergleich früherer Äußerungen der beiden Staatsmänner enthüllt die prinzipiellen oder methodischen Unterschiede deutscher und französischer Außenpolitik am Vorabend von Rambouillet: