Wer auf den Feldberg reist, sollte nicht nur seine Skier mitnehmen, sondern auch die Badehose oder den Bikini einpacken. Denn in vielen Schwarzwaldhotels gibt es jetzt Hallenbäder. Bäder, für mindestens 50 Personen gebaut, bunt gekachelt, geheizt, und fast alle haben verglaste Südwände mit einem weiten Blick in die Schneelandschaft des Schwarzwaldes.

Die neue Manier mit dem Swimmingpool im Hotel hat der Schwarzwald-Wintersaison einen bemerkenswerten Auftrieb gegeben. Und immer weniger laufen die Gäste der Schwimmbad-Hotels auf den Pisten Ski („ich kann mir einfach keinen Beinbruch leisten...“), sondern es wird geschwommen, gekurt und vielleicht auf leichten Strecken skigewandert. Im Schwarzwald ist das „gemütliche Leben“ gefragt. Hotelhallen mit Holzdecken, prasselndem Kaminfeuer, Fahrten mit Pferdeschlitten und angewärmte Handtücher im Badezimmer. Kein hektischer Amüsierbetrieb, dafür viel Behaglichkeit und Stille (Fernsehen und Hunde sind in einigen Hotels nicht zugelassen). In den Hotels mit Hallenschwimmbad hat sich folgender winterliche Rhythmus eingespielt: vor dem Frühstück – das Schwarzwaldfrühstück ist wirklich noch eines, mit Wurst, Schinken und mindestens drei Brot- und Marmeladensorten – schwimmen, dann ein bißchen Ski- oder Schlittschuhlaufen, wieder Schwimmen, ruhen (alle Hallenbäder haben bequeme Liegen, einige auch eine Bar „nur für Schwimmer“) oder tanzen und abends in bengalischer Beleuchtung schwimmen. Auch für Kinder ist gesorgt. Ihre Eltern können sie unbesorgt unter Aufsicht im Hotel-Schwimmbad zurücklassen.

Unterschiedlich allerdings sind die Preise für die neue Kombination „schwimmender Skiläufer“: Nur in zwei Häusern dürfen Hausgäste unentgeltlich schwimmen (im Hotel „Tannhof“, Feldberg-Bärental und in „Baers Hotel“, Friedenweiler), in den anderen Hotels kostete einmal täglich baden zwischen 2,50 und 4 Mark, für „externe Schwimmer“, soweit sie zugelassen werden, bis zu 5 Mark. Das „Schwarzwaldhotel“ am Titisee hat eine Sonderregelung, „für Jedermann“ ist das komfortable Schwimmbad (4,50 Mark Tagessatz) nur zwischen 14 und 19.30 Uhr zugänglich.

Das erste „Schwimmbad im Hause“, 50 Quadratmeter, 27 Grad Wassertemperatur, Blick auf den Feldberg, baute vor drei Jahren „Haus Tannhof“ in Feldberg-Bärental. Dieses Hotel in klimatisch idealer Höhe hat 18 Appartements und zwei Einzelzimmer. Das Schwimmbad können unentgeltlich „nur Hotelgäste“ benutzen. Die Preise im „Tannhof“: Ein Zweibett-Appartement mit allem Komfort kostet 30 Mark. Der Gast erhält Frühstück, nachmittags Tee oder Kaffee, warmes oder kaltes Abendbrot zusätzlich.

Im unweit gelegenen, feudalen Kurhotel „Saigerhöhe“ (100 Betten) schwimmt der Hausgast für 2,50 Mark, ein zugelassener Fremder für vier Mark. Der Hausgast erreicht (er darf im Bademantel kommen) das Schwimmbad durch lange, lautlose, geheizte Gänge. Er kann daneben alle Arten von Kneipp-, sonstigen Wasserkuren und medizinische Bäder genießen. Jeder Schwimmer wird aus dem etwas höher gelegenen, verglasten Fernsehraum beäugt, von all denen, die weder vom Schnee draußen, noch vom Wasser drinnen viel halten. Das Saigerhöhe-Hotel bietet eine gekonnte Mischung von Luxussanatorium und internationalem Flughafen. Die Zimmerpreise (mit Bad, Dusche, WC) für eine Person, ohne alle Nebenkosten, mit Pension: 30 bis 40 Mark.

In Hinterzarten wird Schwimmen groß geschrieben. Im „Adler“ – seit Generationen in Familienbesitz – besuchen im Winter 80 Prozent der Hausgäste das Hotelschwimmbad regelmäßig. Durch einen geheizten unterirdischen Tunnel wird das Bad im Park erreicht, aus der riesigen gläsernen Glocke (3 Mark Eintritt) kann der Gast, wenn er nicht krault, im nahen Gehege das Wild beobachten. Ein Doppelzimmer mit Bad kostest zwischen 34 und 48 Mark, zusätzlich Pension je Person 16 Mark, Halbpension zehn Mark.

Das elegante Hallenbad im „Schwarzwaldhotel“ am Titisee (120 Betten) kann der Gast zwar nicht, wie sonst überall, im Hause genießen – er muß etwa 50 Schritte gehen –, aber für diese „Mühe“ wird er durch einen großartigen Blick auf den Titisee entschädigt. Ein Doppelzimmer kostet in der Hochsaison zwischen 38 und 50 Mark, zuzüglich 17 Mark pro Person Vollpension. Höchenschwand, „Dorf am Himmel“, heilklimatischer Höhen- und Wintersportort (1015 m hoch) hat zwei Hotel-Schwimmbäder aufzuweisen: Schwarzwald-Höhensanatorium und Landesversicherungs-Kurheim. Doppelzimmer mit Bad: 45 Mark. Dazu nach Pension ärztliche Kosten und ein „Wirtschaftszuschlag“ von 15 Prozent für Schwimmbad, Kneipptretbecken Liegestuhl, Telephon, Heizung und Garage. Überhaupt sollte der Reisende die „Extras“ bedenken: Zum Schwarzwaldwinter gehören viele Nebenausgaben: Schwimmen, Lift, Eisschießen, Sauna, Packungen aller Art und Massagen. Nichts gibt es umsonst.

Mit Brettl’n und Bikini, das ist ein wohltemperierter Traum voll Behaglichkeit und Erholung, kalt oder warm, mit Sport draußen oder drinnen, der neue Schwarzwaldwinter steckt voller Überraschungen. Irmgard Trietsch