Der US-Journalist Henry Shapiro, ein alter Rußland-Fachmann, brachte die erste verläßliche Kunde vom Schicksal Nikita Chruschtschows. Der gestürzte Kremlgewaltige wohnt als Pensionär (Monatsrente rund 1300 Mark) auf einer regierungseigenen Datscha in Usowo westlich Moskau. Seine Frau, ehemalige Lehrerin, bezieht monatlich mehr als 500 Mark. Chruschtschow braucht keine Miete zu zahlen, verfügt über fünf vom Staat bezahlte Angestellte und eine Tschaika-Limousine mit Chauffeur.

Der ehemalige Parteichef empfängt außer seinen Freunden und Verwandten keine Besucher. Allen Bitten um Interviews oder Erklärungen hat er sich bisher verschlossen. Seine meiste Zeit verbringt er damit, in den Wäldern um Usowo auf die Jagd zu gehen oder eine benachbarte landwirtschaftliche Versuchsanstalt zu inspizieren. Auch seine Familie ist einigermaßen ungeschoren davongekommen. Schwiegersohn Alexej Adschubej wurde Redakteur an einer Monatszeitschrift. Enkelin Julia arbeitet in einer Nachrichtenagentur, nur wenige Türen neben dem Büro von Galina Breshnew, der Tochter des neuen Parteichefs.