Die deutschen Börsen haben beschlossen, den Handel in Bezugsrechten auf junge Aktien weitgehend den im Ausland gültigen Usancen anzupassen. Die neue Regelung ist bereits in Kraft getreten. In der Praxis wird sie zum erstenmal anläßlich der Kapitalerhöhung der Farbenfabriken Bayer ausprobiert werden. Das Bezugsrecht auf die jungen Bayer-Aktien wird nicht mehr – wie bisher üblich – nur an drei Börsentagen gehandelt und notiert. Vielmehr erstreckt sich dieser Handel auf die Zeit vom 18. Januar bis zum 7. Februar.

Bei Kapitalerhöhungen, meine verehrten Leser, hat sich der Aktionär folgende Fragen vorzulegen: Ist das kapitalsuchende Unternehmen so gut, daß man ihm weitere Ersparnisse zur Verfügung stellen kann? Wie sieht das eigene Portefeuille aus, wenn neue Aktien eines in ihm bereits vertretenen Unternehmens hinzukommen? Bekommt es von der Zusammensetzung her „Schlagseite“?

Bei Bayer ist die erste Frage leicht zu beantworten. Die Gesellschaft zählt zu den ertragsstärksten und dynamischsten Unternehmen in der Bundesrepublik. Gute Dividenden, die eine vernünftige Rendite des neu einzusetzenden Kapitals garantieren, können erwartet werden. Die zweite Frage muß natürlich jeder einzelne Bayer-Aktionär für sich entscheiden. Ich meine allerdings, daß die neue Kapitalerhöhung im Verhältnis 13:1 nirgends entscheidende Portefeuille-Veränderungen hervorrufen wird. Grundsätzlich sollte man die angebotenen jungen Bayer-Aktien beziehen. Auf einem anderen Blatt steht natürlich, ob die Mittel dafür vorhanden sind oder ob Geld für die im Frühjahr zu erwartenden VEBA-Aktien zurückbehalten werden muß, die wegen der hier gebotenen besonderen Chancen Vorrang haben sollten.

Das „krumme“ Bezugsverhältnis von 13 : 1 wird zwangsläufig zu einem regen Bezugsrechthandel führen. Spitzenbeträge müssen hinzugekauft oder verkauft werden. Denn wer besitzt gerade genau nom. 1300 Mark Aktien (oder ein Vielfaches davon)? Da die meisten Bayer-Aktionäre Bezugsrechte kaufen oder verkaufen müssen, sollten sie sich rechtzeitig ein Bild von seinem Preis machen.

Den Bayer-Aktionären (das Aktienkapital beträgt 835 Millionen Mark) werden 65 Millionen Mark junge Aktien (13 : 1) angeboten, und zwar zum Ausgabekurs von 300 Prozent. (Für eine Aktie zu nom. 100 Mark müssen 300 Mark bezahlt werden.) Ohne Zweifel ist das für deutsche Verhältnisse ein ziemlich hoher Preis, der jedoch in Zusammenhang mit den der jetzigen Kipitalerhöhung folgenden Transaktionen zu sehen ist. Sie sehen unter anderem vor, im Frühsommer dieses Jahres auf das dann 900 Millionen Mark ausmachende Grundkapital Gratisaktien (durch Umwandlung von Rücklagen in Aktienkapital) im Verhältnis 2 : 1 auszugeben. Daran nehmen auch die „teuren“ jungen Aktien schon teil. Rechnerisch ermäßigt sich dadurch ihr Ausgabekurs um ein Drittel auf 200 Prozent. Allerdings, und auch das muß in diesem Zusammenhang gesagt werden, gibt es auf diese Aktien – nicht mehr wie früher – 18 Prozent Dividende, sondern vorerst „nur“ 13 Prozent.

Aber nun zu unserer Bezugsrechtrechnung. Wir ermitteln zunächst den paritätischen Wert. Dafür gibt es Formeln, die aber von Leuten, die nicht täglich mit dieser Materie umgehen, schnell wieder vergessen werden. Deshalb machen wir es, meine verehrten Leser, etwas umständlicher, aber auch einprägsamer. Zunächst müssen wir die alten und jungen Bayer-Aktien auf einen Nenner bringen, das heißt wir müssen prüfen, welche Wertunterschiede es zwischen beiden Kategorien gibt. Da die alten Aktien unter Berücksichtigung der bereits erwähnten Gratisaktien und der von der Verwaltung angekündigten Dividende für 1964 von 13 Prozent für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Ausschüttungsanspruch von praktisch 19,5 Prozent enthalten, die jetzt angebotenen Aktien aber erst ab 1. Januar 1965 dividendenberechtigt sind, muß von dem jetzigen Bayer-Börsenkurs von-zirka 634,5 Prozent die Dividende von 19,5 Prozent abgezogen werden. Gehen wir also bei unserer Rechnung von 615 Prozent aus.

13 Aktien zu nom. 100 Mark haben bei einem Kurs von 615 Prozent einen Kurswert von