Die Spielerfinder, was sind das für Leute? Warum kennt man sie nicht? Wie war der Mann, der Halma ersann? Welchen Beruf hatte der Domino-Erfinder? Ein Interview mit dem Genie, dem Mensch-ärgere-dich-nicht einfiel, wurde nie geschrieben. Schämten sie sich der leichten Produkte ihrer Phantasie? Man kennt den Autor jeglichen noch so windigen Büchleins – da wird es Zeit, zu erfahren, wer gute Spiele „verfaßt“.

Es gibt einen Ansatz. Da lüpft ein Verlag wenigstens teilweise den Vorhang, in einem Fall sogar ganz. Aber da ist es ein Prominenter: Erik Hesselberg, der Steuermann des berühmten Floßes „Kon-Tiki“. Die anderen Autoren sollen zusammen mit ihren Werken vorgestellt werden, und dies sind

„7 neue Spiele“; Otto Maier Verlag, Ravensburg. Karton mit 3 Doppelspielplänen, 24 Plastichütchen, 16 Halmakegeln und 2 Würfeln, alle Spiele für zwei bis vier Personen; 7,80 DM.

Dieser Spielesammlung liegt eine Postkarte bei. Darauf soll man dem Verlag mitteilen, welche drei am besten gefallen. Die Sieger aus diesem löblichen Wettbewerb sollen dann in „stabilen Einzelausgaben“ erscheinen. Deshalb auch die einfache Ausstattung bei geringem Preis.

In der Tat: so billig wurden Spiele noch nie angeboten: Jedes Stück kostet nur ein geringes mehr als eine Mark. Dabei ist an der Aufmachung kaum zu mäkeln, auf keinen Fall an der graphischen Gestaltung. Obwohl ich auf das Ergebnis der Umfrage gespannt bin, kann ich es mir nicht verkneifen, in dieses „schwebende Verfahren“ einzugreifen.

Da wären „Kontra“ und „Peng“. Autor ist ein Herr, „der schon mehrere beliebte Spiele erfunden“ hat. Warum bleibt gerade er so sehr anonym? Welche Spiele sind denn das? Schade, daß man es nicht erfährt. Vielleicht würde man dann mit seinen neuen Musensprößlingen weniger hart ins Gericht gehen, denn es sind Kampfspiele ohne besonderen Pfiff. Das gleiche gilt wohl auch vom „Flaschenteufelchen“ des „bekannten Musikpädagogen“, trotz des hübschen Spielplanes. Ein „Mensch-ärgere-dich-nicht“ kann man nicht verbessern, indem man die Spielbahn sich kreuzen und dadurch die Männchen plötzlich aufeinander zu, statt hintereinander her rennen läßt.

Auch dem braven Steuermann Hesselberg vermag ich nicht mehr Lorbeeren zu flechten, als daß ihm eine Variation von Fang den Hat eingefallen ist. Da würfelt man nicht, da. liest man ab: Ein Anzeiger verkündet voraussehbar, wer wieviel Felder ziehen darf. Das macht die fröhliche Hütchenjagd wohl weniger kindlich, dafür aber doch etwas zu gedankenschwer. Nebenbei: Kunststoff hat eine wesentlich geringere Adhäsion als Papier, praktisch gar keine. Das macht den Umgang mit den Hütchen beim „Tiki-Spiel“ zusätzlich mühsam.