Die Sparquote der westdeutschen Bevölkerung steigt weiter. Legte der Bundesbürger 1964 10,4 Prozent seines ihm nach Abzug der Steuern und sonstigen Abgaben verbleibenden Einkommens auf die hohe Kante, so rechnen die fünf Weisen des Sachverständigen-Ausschusses für dieses Jahr mit einer Steigerung auf möglicherweise sogar 11,5 Prozent. Die Stellen, die auf eine Finanzierung ihrer Vorhaben über den Kapitalmarkt rechnen, sollten also keinen Anlaß zum Pessimismus haben.

Der zögernde Absatz der letzten Bundesanleihe hat hier allerdings eine rote Warnlampe aufleuchten lassen. Die Kuponsteuer, die wahrscheinlich am 1. Juli in Kraft tritt, hat offensichtlich nicht nur die Ausländer vom deutschen Kapitalmarkt abgeschreckt, auch die großen inländischen Anleger üben – eine nur psychologisch bedingte – Zurückhaltung gegenüber öffentlichen Anleihen. Dagegen spricht auch nicht, daß der private Anleger, also der kleine Sparer, einen immer höheren Anteil an der Zeichnung öffentlicher Anleihen einnimmt, zuletzt rund 50 Prozent.

Unter diesen Umständen bleibt das Schicksal des Rentenmarktes im laufenden Jahr offen. Der Bund hat zwar angekündigt, daß der Kreditbedarf mit 2,25 Milliarden Mark nicht höher sein werde als 1964. Ob es bei dieser Summe bleibt, ist jedoch fraglich, denn die Bahn wird höhere Mittel als im vergangenen Jahr gebrauchen. Dazu kommt, daß die private Wirtschaft höhere Wünsche an den Kapitalmarkt angemeldet hat. Unter diesen Bedingungen wird ein höheres Sparaufkommen. auch notwendig sein, wenn niemand zu kurz kommen soll, ehk