Den Engländern sagt man zwar einen besonderen Sinn für Humor nach; aber daß sich dieser Sinn nun auch in der Wirtschaftspolitik erweist, ist neu. Der Vorsitzende der britischen Kohlenbergbau-Behörde, Lord Robens, hat die Hausfrauen aufgefordert, die andauernden Preissteigerungen für Lebensmittel mit einem Käuferstreik zu beantworten. Die Hausfrauen, so erklärte der Lord, hätten viel Macht, wenn sie sich einen Monat lang weigerten, überteuerte Waren zu kaufen. Dann nämlich sei ein Rückgang der Preise unvermeidlich.

Wer wollte daran zweifeln, daß die englischen Hausfrauen sich ihrer Macht bewußt werden und dem Streikaufruf des Lords folgen? Auf daß die Preise fallen und damit womöglich zugleich auch die Pfundkrise samt allen sonstigen wirtschaftlichen Übeln des Inselreiches behoben wird. Oder sollten irgend jemandem Bedenken kommen, ob der Lord nicht doch von den englischen Hausfrauen ein wenig zu viel verlangen könnte? Wenn das mit dem Käuferstreik so einfach ist, warum schließen sich die deutschen Hausfrauen, die nicht minder über Preissteigerungen zu klagen haben, dann nicht dem englischen Vorbild an?

Man fragt sich – angesichts des englischen Patentrezepts – wieso sich unsere „Fünf Weisen“ den Kopf darüber zerbrochen haben, wie die Preisstabilität gewahrt bleiben kann. Flexible Wechselkurse hin – flexible Wechselkurse her, Lord Robens scheint den Stein der Weisen gefunden zu haben. Bloß mit Steinen ist den Hausfrauen leider nicht geholfen. Was sie brauchen, ist Brot, Butter und Käse. Und sei es auch „überteuert“. W. B.