Von Uwe Nettelbeck

Die letzte Runde ist eröffnet, schlaue Zurückhaltung nicht mehr möglich: Hermann Höcherl hat einen erweiterten Prämien-Erlaß herausgegeben. Darin heißt es:

Die Drehbuchprämie beträgt bis zu 350 000 DM, wenn das Drehbuch Grundlage eines förderungswürdigen Projekts im Sinne der Richtlinien des Vereins „Kuratorium Junger Deutscher Film“ ist. Über die Vergabe der Prämien befindet ein Preisrichterausschuß, der aus etwa zwölf unabhängigen auf dem Gebiete, des Films fachkundigen oder im öffentlichen Leben erfahrenen Persönlichkeiten besteht. Von dem Auswahlausschuß können im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel mit einer Prämie jährlich bis zu zehn deutschsprachige drehreife Drehbücher ausgezeichnet werden, deren Verfilmung im Sinne der Richtlinien des Vereins „Kuratorium junger Deutscher Film“ vorbereitet ist.

Das bedeutet: Die Oberhausener sind am Ziel ihrer Wünsche, denn das Kuratorium hat sich nicht Höcherl einfallen lassen, sondern ist vor allem dem Oberhausener Hans Rolf Strobel zu danken.

Das Argument, kein Geld zu haben, verfängt nun nicht mehr. Es wird sich in diesem Jahr herausstellen, woran es wirklich gemangelt hat, an Geld oder an Ideen oder an Talenten. Die Filmkrise, bisher ein allzu bequemes Mäntelchen für viele, die sich nicht trauten oder nichts zuwege brachten, für jene, die leicht prahlen hatten, weil sie nicht beim Wort zu nehmen waren, die liebgewordene Filmkrise ist in Gefahr, eine peinliche Metamorphose durchzumachen. Es könnte an den Tag kommen, daß es noch viel schlimmer um den deutschen Film steht, als es bisher den Anschein hatte, daß die Krise mit Geld allein nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist.

Vorausgesetzt natürlich, daß jene zwölf Persönlichkeiten, die der Erlaß vorsieht, überlegt ausgesucht werden, also der Ausschuß nicht zusammengesetzt wird aus den üblichen Funktionären, deren Unabhängigkeit und Fachkunde wir nur allzu gut kennen, sondern aus Leuten, die wirklich etwas von der Sache verstehen und in der Lage sind, passable Entscheidungen zu fällen. Zwölf vernünftige Leute suchen zehn vernünftige Drehbücher... wenn Höcherl die Leute findet, dann darf man gespannt sein, ob diese die Drehbücher auftreiben.

Höcherls Erlaß war aber nicht das einzige Ereignis, das in den letzten Wochen des verflossenen Jahres die Optimisten fröhlich stimmte.