Bundespräsident Heinrich Lübke, Veteran des Ersten und Zweiten Weltkrieges, hat der Bundeswehr die lang entbehrten Truppenfahnen beschert. Die erste von mehr als 500 Fahren durfte das Wachbataillon Bonn aus seinen Händen entgegennehmen. Lübkes ziviler Vorgänger Theodor Heuss hatte sich immer gesträubt, dem soldatischen Wunsch nach mehr äußerem Glanz nachzugeben.

Von den Militärfahnen des Zweiten und Dritten Reiches unterscheidet sich die neue Fahne durch die Farben: das Schwarz-Rot-Gold der 48er Revolution ersetzte das Schwarz-Weiß-Rot der Kaiserzeit. An preußisch-deutsche Traditionen erinnern jedoch nach wie vor der Adler und das Eiserne Kreuz.

Lübke bei der Übergabefeier: „Truppenfahnen und Standarten sind Symbole des festen Zusammenhalte; der militärischen Einheit.“ Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel: „Die neuen Fahnen werden jedem Soldaten bewußt machen, wofür und wogegen wir stehen.“

Die öffentliche Meinung war etwas zwiespältig: „Die Welt“ meinte: „Der Bundespräsident hat bei der Übergabe gesagt, das Symbol allein schaffe noch keine Tradition. Es kann sie, so muß hinzugefügt werden, um so weniger schaffen, als das Symbol selbst weithin nur als eine Materie aus gefärbtem Leinen gewertet wird. Man mag es beklagen, aber es ist so.“

Die „Süddeutsche Zeitung“ fand: „Ein bißchen Farbe über den öden Uniformen – warum nicht? Institutionen, die gegen mittelmäßige Bezahlung und meistens nicht einmal auf Grund freiwilliger Berufswahl ein hartes Leben verheißen, muß man wohl ein paar solche attraktiv wirkende Eigenheiten nachsehen.“