Ein schlichtes Metallschild mit dem eingravierten Namen „Institut Mensch und Arbeit“, ein paar Büroräume, hoch über dem Münchner Isarufer, mit moderner Sachlichkeit eingerichtet, das übliche Bürogerät, das ist alles. Kein mit Technik gefülltes Labor, statt dessen Bücher, viele Bücher und hinter den Schreibtischen ein paar meist jüngere Leute mit Ideen.

Mit der Idee etwa, die Robert Pfützner, der Chef des Unternehmens, so formuliert: „Warum soll man die Menschen nicht einmal zu etwas Vernünftigem verführen?“ Da schimmern die „Geheimen Verführer“ des Vance Packard durch, des amerikanischen Schriftstellers, der die Werbewirtschaft, der auch Pfützner verbunden ist, so attackiert hat, doch diesmal mit einer positiven Wendung.

Der Mensch, so doziert Pfützner, kann sein Handeln nur zu einem Teil von der Vernunft bestimmen, der Rest wird bestimmt von Gefühlen und Trieben. Diese gilt es nun so zu mobilisieren, daß der Mensch auch aus diesem Bereich heraus vernunftgemäß handelt. Da klingt Kurt Hahn an, der große Pädagoge, der seine Ideen zuerst in der Internatsschule Salem verwirklichte.

Angefangen hat es mit der Zeitschrift „Mensch und Arbeit“ in dem gleichnamigen Verlag. Aus den Beziehern kristallisierte sich bald ein Kreis von Industrieunternehmen! heraus, die erkannt haben, daß die Wirtschaft mit der technischen und menschlichen Ausbildung steht und fällt. Das Ergebnis waren zwei Schriftenreihen für die Fortbildung der unteren und mittleren Führungsschicht der Vorarbeiter, Meister und Abteilungsleiter etwa.

Zu diesem Kreis gehört auch einer der Automobilgiganten. Bei einem Erfahrungsaustausch des Instituts stellte der Diplomingenieur Thurner fest, daß die Ford-Werke – anfangs skeptisch gegenüber der Wirksamkeit eines solchen Trainingsmittels – heute zumindest eine leichte Änderung des Führungsverhaltens feststellen. Er sei überzeugt, so sagte er, daß mit schriftlichen Lehrmitteln auch das persönliche Verhalten der Menschen geändert werden könne.

Was dieser Erfahrungsaustausch ansonsten zu Tage förderte, waren keine umwerfenden Neuigkeiten. Wer wüßte nicht auf jedem Gebiet zu berichten von der Skepsis gegenüber neuen Methoden? Und wen verwundert es, daß alte Führungskräfte in ihrem Verhalten kaum oder gar nicht zu beeinflussen sind?

Damit ist eines der wichtigsten Probleme in der Arbeit des Instituts berührt. Dem Menschen im Berufsleben muß das Lernen erst schmackhaft gemacht werden. Oder wie die Psychologen sagen, es muß die Motivation für das Lernen geschaffen werden. Die erste Aufgabe ist es also, bei den „Schülern“ jene Sperren zu beseitigen, die Desinteresse und Vorurteile hervorrufen. Pfützner prägt hierfür ein Schlagwort: „Wir dürfen unsere Ware nicht in einer schlechteren Verpackung verkaufen als Waschmaschinen.“