Von Erich Trunz

Bücher machen war seine Leidenschaft und sein Beruf, von seiner Jugend, als er im Insel-Verlag bei seinem Onkel Anton Kippenberg das Verlagswesen erlernte, bis in sein Alter. Doch wenn Alter bedeutet, daß alles langsamer geht, dann ist Christian Wegner nie alt geworden. Rasch und zügig war er in seinen Wünschen, seinen Entschlüssen, seinen Bewegungen, seinen Anordnungen – auch noch mit 71 Jahren.

Im Insel-Verlag, in dem er zum Abteilungsleiter aufstieg, war er hauptsächlich mit dem Ausbau der Insel-Bücherei beschäftigt; von daher behielt er die Neigung zum guten und zugleich preiswerten Buch. 1931 gründete er den Albatross-Verlag, dessen gut gewählte, elegant wirkende Bändchen rasch in vielen Ländern bekannt wurden. Der Albatross-Verlag druckte englische Bücher; Wegner leitete ihn von Paris aus, wo er damals lebte; gedruckt wurde in Italien. Solche internationale Arbeit lag ihm.

1936 gründete er in Hamburg den „Christian Wegner Verlag“ und übernahm eine Buch- und Zeitschriften-Großhandlung, aus welcher dann das „Grossohaus Wegner & Co.“ wurde. – Im Kriege war er Abteilungskommandeur an der Ostfront und nannte den, der sich selbst als obersten Kriegsherrn bezeichnete, einen Verbrecher. Denunziert und verurteilt, war er zehn Monate im Gefängnis und dann als Soldat einer Strafkompanie an der Ostfront. Nach Hamburg heimgekehrt, erhielt er als einer der ersten Verleger die Lizenz der britischen Besatzungsbehörde.

Wegners größtes Verlags-Objekt nach dem Kriege war die „Hamburger Ausgabe“ von Goethes Werken, die 1948 begonnen und 1960 vollendet wurde. An den Verbesserungen von Auflage zu Auflage nahm er lebhaften Anteil.

Da die Albatross-Bände die Vorläufer der heutigen Taschenbücher gewesen waren, reizte es ihn, auch diese neue Form des Buches zu gestalten, und so kam als eine gemeinsame Gründung des S. Fischer Verlags und Christian Wegners die Fischer-Bücherei zustande, die ihre Redaktion in Frankfurt hat, ihre Produktion aber in Hamburg.

Als nach dem Kriege die internationalen Beziehungen wieder auflebten, leitete Christian Wegner den Verleger-Ausschuß im „Börsenverein des deutschen Buchhandels“. In dieser Eigenschaft hat er mehr als 30 Buch-Ausstellungen im Ausland organisiert: in Amerika, Südafrika, Japan und anderen Ländern. Hier war er, der hanseatische Verleger, der fließend Englisch und Französisch sprach, der 1943 verurteilt worden war und der einst englische Bücher in Italien gedruckt und in Paris verlegt hatte, am rechten Platze.

Als er zu seinem 70. Geburtstag, am 9. September 1963, die Festschrift „Gratulatio“ erhielt, dachte niemand, daß er nur noch eine kurze Zeit des Wirkens vor sich habe. Sein Werk, auf weite Sicht geplant, verlangt nach Weiterführung und wird seinen Namen noch lange lebendig erhalten.