Nach seinem Auftreten ist er ein Grandseigneur. Unwillkürlich wartet man, daß seine Mitarbeiter ihn ansprechen: „Herr Graf“, und ist ein wenig enttäuscht, daß es nicht so geschieht. In der Diskussion aber zeigt sich dann bald auch die andere Seite des Dr. Aurelio Peccei, der seit gut einem halben Jahr auf dem Generaldirektorsessel des Olivettikonzerns sitzt. Hinter dem Charme eines italienischen Granden verbirgt sich der harte Manager, wie ihn das amerikanische Big Business züchtet.

Ohne Umschweife kommt er zum Thema: Jawohl, Olivetti war in Schwierigkeiten; die Expansion des Unternehmens ging zu rasch; aber die Schwierigkeiten sind heute vorüber. Die Feststellung scheint keinen Widerspruch zu dulden, und man ist auch geneigt, sie zu akzeptieren. Scheint sich nicht das „amerikanische Abenteuer Olivettis“, von dem so viel die Rede war, zum besseren zu wenden? Zum erstenmal seit 1959, als Adriano Olivetti das amerikanische Büromaschinenunternehmen Underwood – es firmiert heute als Olivetti Underwood Corporation – kaufte, weist es wieder kleinen Gewinn aus, statt Millionen Dollar zu schlucken.

Adriano Olivetti starb darüber hin, der Sohn des Firmengründers, und auch Giuseppe Pero, der letzte Präsident des Unternehmens. Und dann kam das Interregnum – „Olivetti-Krise“ genannt –, als die Familie dem Roberto Olivetti den Weg an die Spitze des Konzerns verbaute, bis schließlich Peccei die schleifenden Zügel in die Hand nahm, der Vertrauensmann des Fiat-Konzerns; denn inzwischen hatte die Familie ein beträchtliches Aktienpaket an Fiat und einige Banken abgeben müssen.

Ihm oblag es auszuführen, was der heutige Olivetti-Präsident und langjährige Berater der Familie, Professor Bruno Visentini, als Lesung gefunden hatte: Das Familienunternehmen, dessen Stil weltberühmt war und nicht nur für die italienische Wirtschaft weit in die Zukunft wies, als Publikumsgesellschaft weiterzuführen und ihm die gefährdete internationale Position wiederzugewinnen.

Das erforderte harte organisatorische Arbeit und vor allem eine schmerzhafte Amputation. Die Abteilung für Elektronik und elektronische Datenverarbeitungsmaschinen wurde ausgegliedert und als selbständiges Unternehmen weitergeführt, an dem Olivetti nur noch mit 40 Prozent und der amerikanische Konzern General Electric mit 60 Prozent beteiligt sind.

Der Entschluß ist nicht leichtgefallen. Typisch scheint eine kleine Begebenheit am Rande. Bei der Besichtigung des Rechenzentrums des Unternehmens meint ein Mitarbeiter melancholisch: „Ja, die Computer sind geborene Olivetti, heute verheiratete General Electric.“

Doch dem Generaldirektor Peccei erscheint dieser Schnitt „gesund und weise“, denn: „Allein konnten wir auf dem Gebiet der Elektronik nicht bestehen.“ Die dynamische Entwicklung auf diesem Feld erfordert nun einmal viel Kapital, mehr jedenfalls, als das Unternehmen aufbringen konnte. Der geborene Turiner zeigt sich in dieser Frage weltoffen, wie es einem Unternehmen ansteht, dessen Produktion zu zwei Drittel in den Export geht.