Professor Dr. Hans Mayers „Büchertagebuch“ geht jetzt in sein zweites Jahr. Wir lassen bei dieser Gelegenheit auch die Zählung wieder von vorn begingen.

Auch das „Büchertagebuch“ darf sich bei Faul Celan bedanken. Sein Weihnachtsgeschenk gab den Anstoß. Als das umhüllende braune Packpapier mit den Stempeln und Zollbescheinigungen fiel, denn das Paket kam aus Paris, la;en da vier außerordentlich gut erhaltene braune Lederbände und zeugten, noch bevor ein einziger von ihnen aufgeschlagen worden war, für die Buchbinderkunst des achtzehnten Jahrhunderts.

Die Bände entpuppten sich als

„Choix de Poésies Allemandes“ par M. Huber, à Paris; Chez Humblot, Libraire, rue Saint-Jacques, près Saint-Ives; M. DCC. LXVI, Avec Approbation & Privilege du Roi.

Was hatte Celan, der Kenner der Antiquariate und Freund der Antiquare, hier zutage gefördert? Vor allem: wer war dieser Monsieur Huber, der sich in seinem Widmungsschreiben demütigst und gehorsamst vor seinem Landesherrn, dem Kurfürsten von Bayern, verneigt?

Es war eine vierbändige Anthologie deutscher Dichtung, die Herr Huber hier zusammengestellt hatte. Bestimmt für den Gebrauch französischer Leser, und mit Billigung des königlichen Zensors publiziert. Der König hieß damals (1766) Ludwig XV., der Zensor nannte sich Saurain, denn sein Vermerk, wonach er in den Bänden nichts gefunden habe, was die Drucklegung verhindern könne, findet sich am Schluß des ersten Bandes.

Jedem einzelnen Band aber gab Huber jeweils das gleiche Motto auf der Titelseite mit auf den Weg: „Auch Deutsche können sich auf den Parnassus schwingen. Bodmer“. Eines war damit über Huber doch schon ausgesagt: daß er es in der Literatur seiner Zeit mit den Schweizern Bodmer und Breitinger zu halten glaubte, nicht also mit dem wenige Jahre vorher durch Lessing endgültig entthronten Gottsched.