Der unerbittlich prinzipielle Artikel zu „Fragen der Kunst und Literatur“, den die Prawda am 9. Januar gebracht und den das Neue Deutschland am 13. Januar artig nachgedruckt hat, ist zwar schauderhaft langweilig, scheint mir jedoch für die gegenwärtige Situation im Kulturleben zwischen Moskau und Berlin insofern bezeichnend zu sein, als er zwar nichts Neues enthält, wohl aber das Alte nachdrücklich und teilweise in drohendem Tonfall wiederholt.

Werke der Kunst seien abzulehnen – hört man wieder einmal –, wenn in ihnen „die sowjetische Wirklichkeit einseitig dargestellt und Kritik an Mängeln durch Kritikastertum ersetzt wird, das nur Verzagtheit zu säen vermag“. Ferner: „Die sowjetische Öffentlichkeit weist die Versuche zurück, die Prinzipien des sozialistischen Realismus zu revidieren und durch diverse dekadente Theorien zu ersetzen.“

Sehr schön. Nur immer kräftig gegen die Kritikaster, Nörgler und Meckerer, gegen jene, die Verzagtheit und Defätismus säen, die gar etwas revidieren wollen. Das Dekadente, das Entartete, das Intellektuelle, das Zersetzende – die Begriffe gehen ineinander über, wenn die Machthaber über Kunst und Literatur reden.

Und was will man haben? „Die sowjetische Öffentlichkeit. erwartet begeisternde Werke über unsere Gegenwart.“ Alles bestens bekannt, zumal in Deutschland. Seit über dreißig Jahren.

Noch ein Satz aus dem Prawda-Artikel sei rasch mitgeteilt: „Die Kunst ist ein mächtiges Mittel zur Erhöhung der künstlerischen Kultur der Massen.“ Der muß lange gedacht haben, der sich dieser Entdeckung rühmen kann. Genug davon, wenden wir uns Erfreulicherem zu.

Also: Seit dem 13. Januar gibt es in der DDR ein neues Literaturblatt. Es heißt Literatur 65 (und wird, wie uns die Redaktion belehrt, im nächsten Jahr Literatur 66 heißen), soll alle vier Wochen als Beilage des Neuen Deutschland erscheinen und ist, was Aufmachung, Umbruch und Gliederung betrifft, nichts anderes als eine Nachahmung der Welt der Literatur. Nur die Rubrik „Am meisten gekauft“ – eine Liste der DDR-Bestseller, die auf die Angaben von mehreren Buchhandlungen zurückgeht – stammt nicht aus der Welt der Literatur. Doch glaube ich, eine solche Rubrik schon in einer westdeutschen Zeitung gesehen zu haben.

Umfang des Ganzen: sechzehn Seiten, davon nicht mehr als etwa drei Seiten Anzeigen.