R. S., Bonn, im Januar

Der Streit um Erlers Äußerungen über das Grenzproblem im Osten und dessen unlösbare Verquickung mit der Wiedervereinigung sowie seine Anregung eines direkten Kontaktes mit Polen zeigt, worauf wir uns während der nächsten Monate bis zur Wahl gefaßt machen müssen: Jeder liegt auf der Lauer, um dem anderen eine mißdeutbare Formulierung negativ auszulegen.

Erler hat nichts gesagt, was einen „guten Deutschen“, sofern er auch besonnen ist, in Harnisch bringen könnte. Denn daß man nicht über die Wiedervereinigung sprechen kann, ohne dabei die Grenzfrage zu erörtern, ist doch wohl klar. Freilich ist ebenso klar, daß das Thema angesichts der gegenwärtigen internationalen Lage nicht aktuell ist. Wenn Polen – auch das hat Erler gesagt – von einem geeinigten Deutschland nichts wissen will, also auf zwei deutschen Staaten besteht, dann ist es paradox, von der Bundesrepublik zu verlangen, sie solle eine Grenze anerkennen, die nach jener Theorie gar nicht ihre Grenze, sondern die eines anderen Staates wäre.