Im vergangenen Jahr schluckten die Schreibtische des Bundesgesundheitsministermms diverse Auswärtspressemeldungen "Nur für den Dienstgebrauch". Aneinandergereiht besagen sie soviel: Am 6. Oktober 1964, just als in Bonn ein Vertreter der Cyprischen Botschaft an einem ,festlichen Empfang zum 15. Jahrestag der DDR" teilnahnv lobte in Ostberlin der Arzt Dr. Vassos tion aus Cypern die Mauer, besuchte verwundete Landsleute in sowjetzonalen Kliniken und zeigte sich ,tief beriihrt von der hingebungsvollen Pflege der Opfer der Bombenangriffe auf unser Land. Unsere Landsleute werden hier behandelt wie Briider ".

Ein halbes Jahr zuvor hatte der Zonengesundheitsminister Max Sefrin auf Einladung seines agyptischen Kollegen Dr. Mohandes in Kairo Visite gemacht. Die Herren einigten sich schnell ,iiber die Prinzipien der Zusammenarbeit der Regierungen beider Staaten auf dem Gebiet des Gesundheitswesens".

Etwa zur gleichen Zeit gab die Regierung des Jemen in Sana DDR Funktionaren ein Fest, als sie dort ,eine wertvolle Medikamenten- und imedizinische Instrumentenspende" hinterliefien. Gesundheitsminister Hussein al Makdami weilte zum Gegenbesuch vom 6 bis 15. Oktober in Ostberlin, lobte die Mauer und strebte nach ,weiterer Zusammenarbeit".

Aus Fernost eilten japanische und vietnamesische Arzte hach Ostberlin, aufierdem eine Gewerkschaftsdelegation des Gesundheitswesens Indonesians — Mitte September hatte Generalkonsul Hertzfeld eine komplette Poliklinikeinrichtung an das Indonesische Rote Kreuz iibergeben — und 37 burmesische Medizinstudenten nebst 15 Arzten. Zur Facharztausbildung bleiben die Burmesen zwei bis drei Jahre in Ostberlin, wahrend ein DDR Institut in Rangun zweihundert Studenten deutsche Sprachregeln beibringt.

Als Burrrias Gesundheitsminister Hla Han dem Zonenprofessor Prokop ,die tiefe Befriedigung iiber die Vereinbarungen fiir die Zusammenarbeit beider Lander auf dem Gebiet des Gesundheitswesens" bekundete, lobte in Ostberlin der burmesische Vizegesundheitsminister Dr. U Pe Kyin das gute Verhaltnis zur DDR ( ,Wir wissen, dafi wir hier bei Freunden sind!") und verkiindete in Dresden, Burma werde mit Zonenhilfe ein Hygienemuseum bauen.

Das bekannte Dresdener Hygienemuseum beeindruckte auch Delegationen aus Ceylon und Nepal, wahrend eine DDR Delegation mit ihrer Hygien Wanderausstellung in Kambodscha unterwegs war, Der indische Gesundheitsminister Nayar vergab in Neu Delhi gute Worte an eine ,Hauptproblemkommission fiir Seuchenschutz", die ,im Rahmen der Kulturvereinbarung zwischen Indien und der DDR Verlaufsformen und Bekampfung von Pocken und Cholera zu studieren" hatte, Aus den lateinamerikanischen Landern interessierten sich beim Empfang von. DDR Delegatibnen vor allem die Gesundheitsminister Kolumbiens und Brasiliens ,lebhaft fiir deutsche: Fragen", undbrasilianische Universitatsrektoren liefien sich mit besonderer Vorliebe einen ganzen Haufen medizinisches Gerat nebst ,Fachleuten" aus der Zone liefern.

Und Afrika? Von dort kamen Medizinstudenten aus Algerien, Ghana, Guinea, Kamerun, Mali, Sambia und Tansania nach Ostberlin. Weiter: Krankenschwestern und pfleger aus Nigeria, die in der Zone ausgebildet werden. Weiter: die Generalsekretare Mabo, Saar und Bentil neben dem Schatzmeister Folly von den Gewerkschaften fiir das Gesundheitswesen aus Mali, Senegal, Ghana und Togo. Weiter: Regierungsdelegationen aus Sansibar und Mali, die zur Besichtigung der Ostberliner Charite angereist waren ,Tief beeindruckt von dem engen Vertrauensverbaltnis. zwischen der Bevolkerung und der Regierung der DDR" tat der Arzt Dr. Seydou Diakite aus Mali als Delegationssprecher eine ,besonders stolze Freude" kund, ,weil unsere Freunde aus der DDR mit soviel Geduld den Frieden an der Mauer sichern " Malis Gesundheitsminister Dolo hatte zuvor eine ,Malaria Ausstellung" als Geschenk seines Ostzonenkollegen Sefrin eingeheimst, ,wichtige Fragen der Zusammenarbeit" mit ihm erortert und ,die gegenwartige Ausbildung der malinesischen Kader in der DDR" in Augenschein genommen.