Karl Loewenstein: „Der Britische Parlamentarismus“; rowohlts deutsche enzyklopädie Nr. 208; 152 Seiten, 2,60 DM.

Dem Autor ist es gelungen, die Entstehung und die heutige Gestalt des erstaunlichen britischen Regierungssystems kurz und umfassend darzustellen.

Loewenstein – einer der Großen auf dem Gebiet der vergleichenden Verfassungslehre und Verfassungsgeschichte – widmet den ersten Teil des Buches dem geschichtlichen Werden dieses ältesten und oft vergeblich nachgeahmten Verfassungsstaates. Magna Charta – Glorreiche Revolution – Anfänge einer Kabinettsregierung nach 1748.

Der zweite Teil zeigt die entscheidenden Wahlreformen und Machtverschiebungen des 19. Jahrhunderts auf und hebt hervor, wie sich straff gelenkte politische Parteien herauskristallisieren. Diese Veränderungen führen in der Folgezeit zu der parlamentarischen Kabinettsregierung von heute. Loewenstein gebraucht für diesen Regierungstyp das Bild eines „Triangels des politischen Prozesses“, gebildet von einer überaus wachen öffentlichen Meinung, einem in seiner Position sehr geschwächten Unterhaus und dem praktisch unabsetzbaren Premierminister mit seinem Kabinett als der weitaus stärksten Seite dieses Dreiecks.

In einem knappen Schlußkapitel – es paßt nicht so recht in den Rahmen des behandelten Themas – wird in groben Zügen die Entwicklung vom Empire zum heutigen Commonwealth und die wechselseitigen Einflüsse in den Beziehungen Englands mit den sich entwickelnden Staaten Afrikas und Asiens angedeutet. H. W.