WESTDEUTSCHER RUNDFUNK

In dem Panegyrikon auf den spanischen Dichter Lorca des russischen Lyrikers. Andrej Wosnessenskij (er ist 31 Jahre alt, lebt in Moskau als Architekt und bereiste 1960 die USA) finden sich Fundamente einer neuromantischen Poetik. Dichtung sei „Wunder, das Unfaßbare, das Unerklärliche“. Klänge und Farben aus den Gedichten des Spaniers berauschen den jungen Russen, wecken in ihm das Empfinden, daß „die Dinge zusammenwachsen, einander zurufen“; erlebte Wosnessenskij doch in Chicago, daß eine Polin ihr Fernweh mit dem Namen „Lorca“ identifizierte.

Das Schicksal des Spaniers, der im Jahre 1936 von Falangisten ermordet wurde, wird dem Russen Trost und Trutz. Erstaunlich ist das Bekenntnis: „Der Mord an der Kunst dauert an. Nur in Spanien?“ Und: „Dichtung ist immer Revolution.“ Und: „Wie soll jemand singen, der nicht atmen kann?“

Die deutsche Übertragung, lyrisch und sehr klar von Erich Müller-Kamp, wurde maßvoll hymnisch gesprochen von Gert Westphal, eine kleine Kostbarkeit in der Programmdürre der Woche.

W. A. K.